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Œuvres Augustin d'Hippone (354-430) Vorträge über das Johannes-Evangelium (BKV)
25. Vortrag.

6.

„Da ein starker Wind wehte, hob sich das Meer.“ Die Finsternis nahm zu, das Verständnis nahm ab, die Ungerechtigkeit vermehrte sich. „Da sie nun ungefähr fünfundzwanzig bis dreißig Stadien gerudert hatten“. Indes kamen sie voran, fuhren weiter, und jene Winde, Stürme, Wogen und Finsternisse konnten nicht bewirken, daß entweder das Schiff nicht vorwärts kam oder zerborsten versank, sondern noch ging es trotz all dieser Übel. Denn weil die Ungerechtigkeit zugenommen hat und die Liebe vieler erkaltet, wachsen die Wogen, vermehrt sich die Finsternis, wütet der Wind, aber doch geht das Schiff. Denn „wer ausharrt bis zum Ende, der wird S. 421 gerettet werden“1. Und selbst die Zahl der Stadien ist nicht belanglos. Denn es könnte wahrlich doch nicht ohne alle Bedeutung sein, daß es heißt: „Als sie fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gerudert hatten, da kam Jesus zu ihnen“. Es würde genügen: „fünfundzwanzig“, es würde genügen: „dreißig“, umsomehr, da es sich um eine Schätzung, nicht um feste Angabe handelt. Würde etwa die Wahrheit beim Schätzenden leiden, wenn er sagen würde: ungefähr dreißig Stadien oder ungefähr fünfundzwanzig Stadien? Aber von fünfundzwanzig geht er bis zu dreißig. Untersuchen wir die Zahl fünfundzwanzig. Woraus ist sie zusammengesetzt, wie entsteht sie? Aus dem Fünfer. Diese Fünfzahl bezieht sich auf das Gesetz. Das sind die fünf Bücher Moses, das sind die fünf Hallen, welche die Kranken einschlossen, das sind die fünf Brote, welche die fünftausend Menschen speisten. Sonach bedeutet die Zahl fünfundzwanzig das Gesetz, denn fünf mit fünf, d. h. fünfmal fünf gibt fünfundzwanzig, das fünffache Quadrat. Aber diesem Gesetze fehlte, bevor das Evangelium kam, die Vollkommenheit. Die Vollkommenheit aber ist in der Sechszahl enthalten. Daher hat Gott in sechs Tagen die Welt vollendet, und fünf werden mit sechs vermehrt, damit das Gesetz durch das Evangelium erfüllt werde, damit aus sechsmal fünf dreißig werden. Zu denen also, die das Gesetz erfüllen, kommt Jesus. Und wie kommt Jesus? Die Wogen niedertretend, alle Aufwallungen der Welt unter den Füßen habend, alles Hohe dieser Zeitlichkeit niederdrückend. Das geschieht, solange die Zeit zunimmt und das Alter der Welt voranschreitet. Es mehren sich in dieser Zeit die Drangsale, es mehren sich die Übel, es mehren sich die Heimsuchungen, es häuft sich dies alles; Jesus geht darüber hin, die Wogen tretend.


  1. Matth. 24, 12. 13. ↩

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Vorträge über das Johannes-Evangelium (BKV)

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