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Dass aber Celsus Dinge miteinander verbinden kann, die unvereinbar sind und in der menschlichen Natur unmöglich beisammen sein können, ist mir unbegreiflich. Er tut dies nämlich, wenn er sagt, jenes Buch sei "geeignet, Mitleid und Hass zu erwecken". Denn jeder wird zugeben, dass der Bemitleidete dann nicht Gegenstand des Hasses ist, wenn er bemitleidet wird, und dass der Gehaßte dann nicht Mitleid findet, wenn er gehaßt wird. Deshalb sagt Celsus, "er habe nicht die Aufgabe, diese1 zu widerlegen"; denn er ist ja der Meinung, "dass sie doch wohl für alle Welt offen zutage lägen", auch bevor der wissenschaftliche Nachweis dafür erbracht sei, dass sie einfältig und "geeignet seien, Mitleid und Hass zu erregen". Alle aber, denen diese unsere Verteidigungsschrift wider die Anschuldigungen des Celsus in die Hände fallen sollte, fordern wir auf, "die Ausdauer zu haben" und unsere Schriften selbst zu hören" und sich, so gut sie können, aus ihrem Inhalt ein Urteil zu bilden über die Absicht ihrer Verfasser, über ihre Gewissenhaftigkeit und ihre Geistesart, sie werden dann finden, dass es Männer sind, die mit Feuereifer für ihre Überzeugungen eintreten, und dass einige von ihnen die Erklärung geben, sie hätten die von ihnen erzählten Begebenheiten mit eigenen Augen gesehen, miterlebt und deshalb aufgezeichnet, weil sie ihnen wunderbar und der Aufzeichnung zu Nutz und Frommen späterer Hörer würdig erschienen.
Wird einer wirklich bestreiten wollen, dass es die Quelle und der Anfang allen Segens2 ist, an den allmächtigen Gott zu glauben, das ganze Handeln in jeder Hinsicht nach seinem Wohlgefallen einzurichten, und an nichts, was ihm mißfallen könnte, auch nur zu denken, in der Überzeugung, dass er nicht bloß über S. 371 unsere Worte und Werke, sondern selbst über unsere Gedanken Gericht halten wird? Und welche andere Lehre könnte wohl die menschliche Natur wirksamer zu einem tugendhaften Leben veranlassen als der Glaube oder die Auffassung, dass der Allerhöchste alles wahrnimmt, was wir reden und tun, ja selbst das, was wir denken3 ? Wer will, mag ein anderes Verfahren hiermit vergleichen, das nicht etwa nur eine oder zwei Personen, sondern soweit dies an ihm liegt, eine zahllose Menge zur Bekehrung und zugleich zur Besserung führt, damit nun durch die Vergleichung der beiden Verfahren genau die Lehre erkenne, die uns zur Übung der Tugend befähigt.
