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In den von uns angeführten Worten des Celsus, die eine Stelle aus dem Timaios umschreiben, ist gesagt, dass also „Gott nichts Sterbliches geschaffen hat, sondern nur die unsterblichen Wesen, während das Sterbliche von anderen herrühre“. „ Und die Seele ist Gottes Werk, die Natur des Leibes dagegen ist eine andere; und es wird kein Unterschied bestehen zwischen dem Leib eines Menschen und dem Leib einer Fledermaus oder eines Wurmes oder eines Frosches. Denn alle Leiber sind aus dem gleichen Stoffe gebildet und der Vergänglichkeit in gleicher Weise unterworfen.“ Wir wollen auch diesen Punkt in Kürze erörtern und unsern Gegner widerlegen, der entweder seine epikureischen Ansichten nicht betont, oder, wie man sagen könnte, sie später mit bessern vertauscht hat, oder, wie man auch behaupten könnte, nur denselben Namen führt wie der Epikureer Celsus. Denn wenn er solche Meinungen äußert und sich vornimmt, nicht nur uns, sondern auch der angesehenen Philosophenschule, die von Zeno von Kition begründet worden ist, zu widersprechen, so hätte er auch S. 372 beweisen müssen, dass die Leiber der Tiere nicht „Werke Gottes“ sind, und dass die wunderbare Kunst, die sich an ihnen zeigt, nicht von der höchsten Intelligenz herstammt. Und was die so vielen und verschiedenartigen Pflanzen betrifft, die durch eine unsichtbare, in ihrem Innern wirkende Naturkraft regiert werden und zu nicht geringem Nutzen für die gesamte Menschheit geschaffen sind, und was die Tiere betrifft, die zum Dienste der Menschen da sind, mögen sie sonst auch beschaffen sein, wie sie wollen, so durfte er nicht nur eine Behauptung aufstellen, er mußte auch „eine Belehrung erteilen“, dass es nicht eine gewisse vollkommene Intelligenz sei, die dem Stoff, aus dem die Geschöpfe bestehen, diese so vielen Eigenschaften verliehen habe.
Wenn er aber einmal Götter zu Schöpfern aller Leiber machte und nur die Seele als Werk des1 Gottes anerkannte, wenn er diese so vielen Schöpfungswerke in Gruppen teilte und sie einer Vielheit von Schöpfern zuschrieb, wäre es da nicht folgerichtig gewesen, uns mit einem überzeugenden Beweise diese Verschiedenheiten unter den Göttern aufzustellen, von denen die einen den Leib von Menschen, andere aber z.B. Körper von Haustieren, und wieder andere Körper von wilden Tieren bilden? Und wenn er fand, dass von den Göttern einige die Drachen, Schlangen und Basilisken, und andere von ihnen die Art der Insekten hervorbringen, während andere jede Art von Pflanzen und Kräutern schaffen, so mußte er die Gründe dieser Arbeitsteilung angeben. Hätte er diese Dinge einer sorgfältigen Untersuchung unterzogen, so würde er vielleicht entweder an dem einen Gott als dem Schöpfer aller Dinge festgehalten haben, der ein jegliches für einen bestimmten Zweck und aus einem bestimmten Grunde gemacht hat, oder hätte doch, wenn dies nicht der Fall war, gefunden, wie er sich wegen des2 Begriffs „der Vergänglichkeit“, der seiner S. 373 Natur nach zu den gleichgiltigen Dingen gehört, verteidigen mußte, und hätte gesehen, dass es durchaus nicht ungereimt ist, wenn ein einziger Baumeister die aus ungleichen Teilen bestehende Welt geschaffen und die Verschiedenheit der Arten so eingerichtet hat, dass sie dem Besten des Ganzen dienen.
Oder er hätte am Ende sich über eine so wichtige Lehre gar nicht aussprechen sollen, wenn er wirklich das nicht beweisen wollte, was er ja „zu lehren“ versprach, es müßte denn der, welcher die Verkündigung eines bloßen Glaubens tadelt, selbst an uns das Verlangen stellen, dass wir ihm auf seine Behauptungen hin glauben, obgleich er die Versicherung gegeben hat, dass er nicht bloße Behauptungen aufstellen, sondern vielmehr „lehren“ werde.
