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Erscheint nach diesen und ähnlichen Tatsachen Celsus nicht lächerlich, wenn er meint, dass "das Böse sich niemals vermehren oder vermindern würde"? Denn ist auch die Natur der Gesamtheit der Dinge eine und dieselbe," so folgt daraus noch keineswegs, dass auch "die Entstehung des Bösen immer die nämliche" ist. Denn wie bei diesem oder jenem Menschen zwar seine "Natur eine und dieselbe" ist, aber seine Willensrichtung und sein Denken und sein Handeln nicht immer dasselbe Bild bieten, da er das eine Mal [weder Verstand] noch Vernunft, ein anderes Mal aber mit der Vernunft auch Bosheit angenommen hat, die bald größere, bald geringere Ausdehnung gewinnt, und da er sich bisweilen der Tugend zuwendet und in dieser größere oder geringere Fortschritte macht und manchmal sogar nach längerer oder kürzerer Betrachtung den Höhegrad der Tugend erreicht: so kann man mit noch größerem Recht auch von "der Natur des Weltalls" sagen. dass, wenn sie auch "eine und dieselbe" der Art nach ist, doch die Dinge, die sich im Weltall zutragen, nicht immer dieselben, ja nicht einmal immer gleichartig sind. Denn es gibt weder fortwährend fruchtbare noch auch stets unfruchtbare Jahre, aber auch nicht immer Regenwetter oder beständig trockene Tage; so ist auch nicht der Überfluß oder Mangel an guten Seelen fest bestimmt, und das Laster ist bald weiter, bald weniger weit verbreitet. Wer alle Dinge mit möglichster Gründlichkeit untersuchen will, muß an dieser Lehre vom Bösen festhalten, dass das Maß der Übel nicht immer gleich bleibt, sei es, weil die Vorsehung die irdischen Dinge gerade in ihrem Bestande bewahrt, oder sei es, weil sie diese durch Wasserfluten oder durch S. 384 Feuersglut reinigt; und vielleicht tut sie dies nicht nur bei den irdischen Dingen, sondern auch bei der gesamten Welt, die einer Reinigung bedarf, wenn die Bosheit darin überhand genommen hat.
