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Hierauf wendet sich Celsus zu der Lehre von "der Auferstehung". Über sie "ist viel zu sagen", auch "ist sie schwer zu erklären"1 und bedarf, wie kaum eine andere Lehre, eines weisen Auslegers mit umfassender Bildung, der dartun kann, wie sehr diese Lehre Gottes würdig und wie erhaben sie ist. Denn sie zeigt uns, dass eine "Zeugungskraft" in dem wohnt, was die Schrift "die Hütte" der Seele nennt, in welcher die Gerechten "bedrückt seufzen", weil sie nicht von ihr "entkleidet, sondern überkleidet werden" wollen2. Unser Gegner spottet über diese Lehre, weil er sie nicht verstanden hat; denn er hat sie nur von unwissenden Leuten gehört, die nicht fähig waren, sie mit Vernunftgründen darzulegen. Daher ist es nützlich, wenn wir zu dem, was wir über diesen Punkt bereits oben gesagt haben, nur noch eine beiläufige Bemerkung hinzufügen. Wir "tragen die Lehre von der Auferstehung" nicht deshalb "vor", weil wir, wie Celsus meint,. " die Lehre von der Seelenwanderung falsch gehört hätten", sondern weil wir wissen, dass die Seele, welche ihrer Natur nach unkörperlich und unsichtbar ist, an jedem körperlichen Orte, wo sie sich befindet, einen Körper bedarf, der seiner Natur nach jenem Orte angemessen ist. Diesen trägt sie, nachdem sie sich teils des früheren "entkleidet" hatte, der zwar notwendig war, aber für den zweiten Zustand überflüssig ist, teils die frühere Körperhülle mit einem besseren Gewand "überkleidet" hatte, dessen sie für die reineren S. 681 ätherischen und himmlischen Orte bedurfte.
Und wenn sie durch die Geburt in diese Welt eintritt, so "entkleidet" sie sich der Hülle, die zu der [Gestaltung] in der Gebärmutter der Schwangeren während ihres Aufenthaltes dort nützlich war, und "bekleidet" sich unter jener Hülle mit dem, was man nötig hat, wenn man auf Erden leben soll. Da es dann wiederum ein gewisses "irisches Haus der Hütte" gibt, das wohl für die Hütte notwendig ist, so sagt die Schrift, "das irdische Haus der Hütte" würde zerstört werden, die Hütte aber sich "überkleiden" "mit einem Hause, das nicht von Händen gemacht im Himmel ewig währt"3. Die Männer Gottes4 aber sagen, "das Vergängliche werde selbst Unvergänglichkeit anziehen", welche etwas von dem Unvergänglichen Verschiedenes ist, und "das Sterbliche werde Unsterblichkeit anziehen"5, die etwas anderes ist, als das Unsterbliche. Wie sich nämlich "Weisheit" zu "weise", "Gerechtigkeit" zu "gerecht" und "Friede" zu "friedlich" verhält, geradeso verhält sich "Unvergänglichkeit" zu "unvergänglich", und "Unsterblichkeit" zu "unsterblich". Man bedenke also, zu welcher hohen Auffassung uns die Schrift anregt, wenn sie sagt, dass wir uns mit "der Unvergänglichkeit und "der Unsterblichkeit" "bekleiden sollen". Denn die beiden Begriffe sind wie Kleider für den, der sie anzieht und von solchen umschlossen wird, und lassen nicht zu, dass der so Umhüllte, vergehe oder sterbe. Diese Ausführungen sollen von uns deshalb gewagt sein, weil Celsus nicht verstanden hat, was wir mit "der Auferstehung" meinen, und aus diesem Grunde die ihm unbekannte Lehre verlacht und verspottet.
