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S. 799 Im folgenden sagt Celsus: „Eins von beiden fordert die Vernunft. Wenn sie es verschmähen, den üblichen Gottesdienst zu verrichten und die mit seiner Leitung Betrauten zu ehren, so sollen sie sich dann weder freien lassen, noch ein Weib heimführen, noch Kinder empfangen, noch sich irgendwie anders im Leben betätigen, sondern ganz und gar von hier weggehen, ohne Nachkommen zu hinterlassen, damit eine solche Menschenart auf Erden gänzlich ausgerottet werde. Wollen sie aber Weiber heimführen und Kinder zeugen und Früchte1 genießen und an den Freuden des Lebens teilnehmen und die ihnen auferlegten Übel ertragen - die Natur bringt es ja mit sich, daß alle Menschen Übel zu erdulden haben; denn es ist notwendig, daß es Übel gibt, und nur auf Erden ist ein Platz für sie -: so müssen sie also denen, die hiermit betraut sind, die gebührenden Ehren erweisen und dem Leben die geziemenden Pflichten erfüllen, bis sie von den2 Fesseln befreit sind, damit sie nicht auch undankbar diesen Wesen gegenüber zu sein scheinen. Denn es wäre ungerecht, an den Gütern, die diese besitzen, teilzunehmen, ihnen aber dafür nichts zu entrichten.“
Hierauf entgegnen wir: Nach unserer Meinung gibt es keinen andern vernünftigen Ausgang3 als allein den um der Frömmigkeit und Tugend S. 800 willen, sobald uns von den Männern, die nach dem Herkommen unsere Richter sind oder Gewalt über unser Leben zu haben glauben, die eine von zwei Möglichkeiten zur Wahl gestellt wird: entweder zu leben und wider die Gebote Jesu zu handeln, oder zu sterben und seinen Worten gehorsam zu sein. Aber auch „ein Weib heimzuführen“ hat uns Gott gestattet, da nicht alle das Höhere, das ist das vollkommen reine Leben, zu fassen vermögen; und es ist sein Wille, daß die Verheirateten die Kinder, die ihnen geboren werden, ohne Ausnahme aufziehen und keinem der Sprößlinge, welche die Vorsehung ihnen schenkt, das Leben nehmen. Und das widerstreitet nicht unserem Vorsatz, den Dämonen, die die Erde bewohnen, den Gehorsam zu versagen. Denn gewappnet „mit der Waffenrüstung Gottes“ halten wir als Streiter der Frömmigkeit stand gegen das Geschlecht der Dämonen, die uns nachstellen.
