5.
Klug handeln jene, welche durch Unglück sich belehren lassen und welche, nachdem sie geläutert worden sind, wie das Gold im Feuer geläutert wird, also bekennen: „Es ist gut für mich, daß du mich gedemütigt hast, auf daß ich deine Gebote lerne1.“ Verdemütigung erzeugt nämlich Verständnis für die Gebote. Sie machen die gleiche Erfahrung wie Petrus, der in dem Augenblick, da er zu versinken drohte, um Hilfe rief. Infolge ihres Leides treten sie Gott näher; in ihrer Bedrängnis gewinnen sie den Wohltäter. Denn eine bekümmerte Seele ist Gott nahe, und Not führt zu dem, der geben kann, der aber, wenn er uneingeschränkt spenden würde, wohl verachtet würde. Darum, Brüder, wollen wir die Herzen erheben und zu jeder S. 347 Zeit und in jeder Lage gute Hoffnung hegen! Lassen wir in der Freude nicht die Furcht und im Leid nicht die Hoffnung vermissen! Denken wir bei heiterem Himmel an den Sturm und bei Sturm an den Steuermann! Nicht wollen wir in der Drangsal mißmutig werden. Gleichen wir nicht schlimmen Sklaven, welche ihren Herrn preisen, solange er gut ist, von ihm aber nichts wissen wollen, sobald er straft! Jedenfalls ist bisweilen Schmerz besser als Gesundheit, Ertragen besser als Ruhm, Anspannung besser als Ausspannung, Zurechtweisung besser als Nachsicht. Um es kurz zu sagen: Im Unglück wollen wir nicht zusammenbrechen, in guten Tagen nicht übermütig werden!
Ps. 118, 71 [hebr. Ps. 119, 71]. ↩
