5.
Viel wäre über den Glauben zu sagen. Wollten wir ausführlich über denselben sprechen, so würde ein ganzer Tag nicht hinreichen. Vorderhand möge es genügen, wenn wir aus den Vorbildern des Alten Testamentes die eine Person Abrahams hervorgreifen, zumal wir durch den Glauben seine Kinder geworden sind. Abraham ist nicht nur auf Grund von Werken, sondern auch auf Grund des Glaubens gerechtfertigt worden1. Viel hat er geleistet, doch Freund Gottes wurde er immer erst genannt, als er seinen Glauben bekannte. Und alles, was er tat, hat er im Glauben vollendet. Im S. 87 Glauben verließ er seine Eltern, im Glauben verließ er Vaterland, Haus und Hof2. Auf demselben Wege nun, auf dem jener gerechtfertigt wurde, sollst auch du gerecht werden. Nicht mehr konnte sein Körper Kinder erzeugen; denn Abraham war ein Greis. Auch sein Weib war schon bejahrt und hatte keine Hoffnung mehr, Kinder zu gebären. Gott verspricht dem Greise Nachkommenschaft, und „Abraham war nicht schwach im Glauben“3, obwohl er erkannte, daß sein Leib bereits erstorben war. Er sah nicht auf die Schwäche seines Körpers, sondern auf die Kraft dessen, der die Verheißung gab, und hielt ihn für treu, und so empfing er aus erstorbenen Leibern wider Erwarten einen Sohn. Nachdem er ihn erhalten hatte, wurde ihm befohlen, seinen Sohn zu opfern. Trotz des Wortes: „In Isaak wird dein Same genannt werden“4, opferte er Gott seinen eingeborenen Sohn, da er glaubte, daß Gott ihn auch von den Toten zu erwecken vermöge. Er band seinen Sohn, legte ihn auf das Holz und war entschlossen zum Opfer5. Durch die Güte Gottes aber, der an Stelle des Kindes ein Lamm setzte, wurde sein Sohn ihm am Leben erhalten. Da Abraham hier treu gewesen war, wurde er besiegelt zum Zeichen der Gerechtigkeit. Er empfing die Beschneidung als Siegel des Glaubens, den er in der Vorhaut gezeigt hatte, und erhielt die Verheißung, Vater vieler Völker zu werden6.