12.
Zum Lernen und Bekennen lasse dir nur das Glaubenssymbolum geben, welches dir die Kirche jetzt überreicht und welches in der ganzen Schrift wurzelt! An diesem halte fest! Da nämlich nicht alle die Schrift lesen können, die einen wegen mangelhafter Bildung, andere infolge dieser oder jener Beschäftigung keine Kenntnis davon haben, darum fassen wir, damit nicht die Seele durch Unkenntnis verloren gehe, die ganze Glaubenslehre in den wenigen Sätzen zusammen. Ich will, daß ihr euch dieselben wortwörtlich merket und S. 92 bei euch recht eifrig hersaget. Nicht sollt ihr sie auf Papier schreiben1, sondern zur Erinnerung ins Herz einmeißeln. Darauf sollt ihr achten, daß nicht etwa, wenn ihr dieselben lernt, ein Katechumene höre, was euch anvertraut worden ist. Wir wollen, daß euch dieser Glaube während eurer ganzen Lebenszeit eine Wegzehrung sei und daß ihr außer ihm nie einen anderen annehmet, auch dann nicht, wenn wir selbst von ihm abweichen und in Widerspruch mit unserer jetzigen Lehre geraten sollten, auch dann nicht, wenn ein böser Engel sich in die Gestalt eines Lichtengels kleiden und dich irreführen wollte. „Denn auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium verkünden würden, das im Widerspruch steht mit dem, welches ihr jetzt erhalten habt, so seien sie verflucht!“2 Höre auf den Wortlaut des Glaubens, um ihn zu merken! Bei gegebener Gelegenheit sollst du die biblischen Belege für die einzelnen Sätze des Glaubensbekenntnisses zusammenstellen. Denn nicht menschliche Willkür hat dasselbe verfaßt, sondern die wichtigsten Lehren der ganzen Schrift sind in ihm zusammengestellt zu einer einzigen Glaubenslehre. Gleichwie der Same des Senfs in einem kleinen Körnlein die vielen Äste birgt, so hält dieses Glaubensbekenntnis in wenigen Worten alle religiösen Kenntnisse des Alten und Neuen Testamentes verschlossen. Wohlan, Brüder, haltet fest die Überlieferungen, welche ihr jetzt empfanget, und schreibet sie in eure weiten Herzen!3
(Nach den letzten Worten erfolgte wohl die „Übergabe“ bzw. Mitteilung des Glaubensbekenntnisses an die Täuflinge.)
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Vgl. Augustinus sermo 212 (Migne, P. l. 88, 1060): „Um diese Worte des Symbolums festzuhalten, dürft ihr sie keineswegs aufschreiben, sondern ihr müßt sie vom Hören lernen; auch wenn ihr sie gelernt habt, dürft ihr sie nicht niederschreiben, sondern immer müßt ihr sie im Gedächtnis behalten.“ ↩
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Gal. 1, 8. 9. ↩
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Vgl. 2 Thess. 2, 15; Sprichw. 7, 3. ↩