6.
Wie — wird man einwenden — steht nicht geschrieben: „Die Engel der Kinder schauen immerdar das Angesicht meines Vaters, der im Himmel ist“?1 Doch die Engel sehen Gott nicht so, wie er ist, sondern nur soweit, als sie ihn fassen. Denn Jesus selbst sagt: „Niemand hat den Vater gesehen außer der, welcher aus Gott ist; dieser hat den Vater gesehen“2. Die Engel sehen ihn also, sofern sie ihn fassen, und die Erzengel, sofern sie die Kraft haben; die Throne und Herrschaften aber schauen ihn besser als jene, doch fassen auch sie noch nicht seine Herrlichkeit. Schauen, wie es notwendig wäre3, kann ihn nur mit dem Sohne der Hl. Geist. „Denn dieser erforscht und kennt alles, auch die Tiefen Gottes“4. Ebenso erkennt auch der eingeborene Sohn zugleich mit dem Hl. Geist den Vater, wie es notwendig ist. „Denn“ — sagt er — „niemand kennt den Vater S. 98 außer der Sohn und wem ihn der Sohn offenbart“5. Er schaut nämlich Gott, wie es notwendig ist, und offenbart mit dem Geist und durch den Geist Gott einem jeden soweit, als dieser ihn erfaßt; denn der eingeborene Sohn hat mit dem Hl. Geist Anteil an der Gottheit des Vaters. Der Erzeugte kennt den Erzeuger, und der Erzeuger kennt den Erzeugten. Wenn die Engel Gott nicht erkennen, wenn sie erst — wie gesagt — vom Eingeborenen durch den Hl. Geist ihrer geistigen Anlage entsprechend die Offenbarung empfangen, dann braucht kein Mensch sich zu schämen, seine Unwissenheit zu gestehen.
Ich spreche jetzt, und zu ihrer Zeit sprechen alle. Doch wir können nicht sagen, auf welche Weise unsere Sprache entsteht. Wie kann ich nun den beschreiben, der die Sprache gegeben hat? Ich habe eine Seele, kann aber ihr Wesen nicht nennen. Wie werde ich nun den erklären können, der die Seele gegeben hat?