7.
Uns religiösen Menschen genügt das eine, zu wissen, daß wir einen Gott haben, und zwar einen Gott, der ist, ewig lebt, sich selbst immer gleich (ὅμοιος) [homoios] bleibt, dessen Vater kein anderer ist, den niemand an Stärke übertrifft, dem niemand nachfolgt, um ihn aus seinem Reiche zu vertreiben, der zwar viele Namen hat und alles wirkt, aber doch einfach ist. Denn nicht ist er, wenn er gut, gerecht, allmächtig, Sabaoth genannt wird, immer wieder ein anderer1. Er ist ein und derselbe, auch wenn er in tausendfacher Weise seine göttlichen Wirkungen zeigt. Nicht besitzt er bald mehr, bald weniger, sondern stets ist er sich gleich (ὅμοιος) [homoios]. Nicht ist er nur reich an Güte und arm an Weisheit, sondern gleich mächtig ist seine Weisheit und seine Güte. Nicht sieht er bald und ist bald blind; sondern er ist ganz Auge, ganz Ohr, ganz Verstand. Nicht gleich uns S. 99 versteht er das eine Mal, das andere Mal nicht2. Das wäre eine gotteslästerliche und gottesunwürdige Rede. Was ist, hat er vorhergewußt. Er ist heilig, allmächtig, ist der Allergütigste, Allergrößte, Allerweiseste. Nicht werden wir von seinem Anfang, seiner Form, seiner Gestalt reden können. „Denn niemals habt ihr seine Stimme gehört oder seine Gestalt gesehen“3, sagt die göttliche Schrift. Daher spricht auch Moses zu den Israeliten: „Achtet sorgfältig auf eure Seelen, denn nicht habt ihr ein Bild gesehen“4. Wenn der Geist völlig unfähig ist, sich von Gott ein Bild zu machen, wird er dann in sein Wesen eindringen können?