10.
S. 101 So groß ist also Gott, ja er ist noch größer. Denn selbst wenn ich ganz Sprache werden würde, könnte ich doch nicht nach Gebühr über ihn sprechen; ja selbst wenn alle Engel zusammenkommen würden, so werden sie doch noch nicht seine Majestät zum Ausdruck bringen. Obwohl nun Gott so mächtig, gut und groß ist, haben doch Menschen sich vermessen, Steine zu meißeln, um zu ihnen zu sagen: „Mein Gott bist du“1. O große Blindheit, welche von solcher Höhe in solche Tiefe hinabstürzt! Das Holz, das Gott pflanzt und der Regen wachsen läßt, das später verbrannt und im Feuer zu Asche wird, das wird Gott genannt, während der wahre Gott verachtet wird. Aber die Bosheit des Götzendienstes ging noch weiter: selbst Katzen, Hunde, Wölfe wurden an Gottesstatt verehrt, auch der menschenfressende Löwe wurde anstatt des so menschenfreundlichen Gottes angebetet. Die Schlange und der Drache, welche den versinnbilden, der uns aus dem Paradiese vertrieben hat, wurde verehrt, während der, welcher das Paradies gepflanzt hatte, verachtet wurde. Ich schäme mich, es zu sagen, doch sage ich es: sogar die Zwiebel wurde von einigen angebetet2. Der Wein wurde gegeben, um des Menschen Herz zu erfreuen3 ; doch statt Gott wurde Dionysos verehrt. Gott schuf das Getreide, da er sprach: „Die Erde bringe hervor die Pflanzen des Feldes, die Samen tragen nach ihrer Art“4, damit „das Brot stärke das Herz des Menschen“5. Warum aber wurde Demeter angebetet? Das Feuer wird bis auf den heutigen Tag durch Aufeinanderschlagen von Steinen hervorgelockt. Warum soll also Vulkan der Schöpfer des Feuers sein?