9.
[Forts. v. S. 125 ] Damit du klarer es erkennest, daß in den göttlichen Schriften keineswegs der natürliche Vater allein den Namen Vater hat, höre auf das Wort Pauli: „Wenn ihr nämlich tausend Schulmeister habt in Christus, so doch nicht viele Väter; denn in Christus Jesus habe ich euch erzeugt durch das Evangelium“1. Paulus war nämlich Vater der Korinther nicht, weil er sie dem Fleische nach erzeugt hatte, sondern weil er sie belehrt und geistig wiedergeboren hatte. Höre auch, was Job sagt: „Ich war Vater der Schwachen“2. Keineswegs nämlich, weil er sie erzeugt, sondern weil er für sie gesorgt hatte, hat er sich deren Vater genannt. Als das Fleisch des eingeborenen Sohnes Gottes ans Kreuz geheftet war und er seine leibliche Mutter und seinen Lieblingsjünger Johannes sah, sprach er zu diesem: „Sieh deine Mutter“, zu Maria aber: „Sieh deinen Sohn“3, um die Pflicht der Liebe zu lehren und um zu erklären das schwierige Wort bei Lukas: „Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich“4. Häretiker nehmen diese Stelle in Anspruch für ihre Lehre, Jesus sei von Mann und Weib erzeugt worden. Doch gleichwie Maria als Mutter des Johannes nicht wegen der Geburt aus ihr, sondern wegen des freundschaftlichen Verhältnisses bezeichnet wurde, so wurde Joseph der Vater Christi genannt, nicht weil er ihn erzeugt hatte; „denn nicht erkannte er sie“, — so sagt das Evangelium — „bis sie ihren erstgeborenen Sohn gebar“5. Er war vielmehr Christi Vater, weil er für seine Erziehung Sorge getragen hatte.