6.
[Forts. v. S. 138 ] Müssen wir nicht auch von Bewunderung erfüllt werden, wenn wir den Bau der Sonne betrachten? Klein erscheint sie zwar an Gestalt, doch entwickelt sie große Kraft. Im Osten leuchtet sie auf und entsendet ihr Licht bis zum Westen. Ihren Aufgang am Morgen beschrieb der Psalmist mit den Worten: „Sie tritt hervor wie ein Bräutigam aus seinem Gemache“1. Er beschrieb die gerade aufgehende Sonne, welche mit wohltuendem Lichte den Menschen leuchtet. Denn wenn sie durch die Mittagslinie eilt, dann fliehen wir oftmals vor ihren brennenden Strahlen; doch geht sie gerade auf, dann erfreut sie alle wie ein Bräutigam, sobald er sich sehen läßt. Achte auf ihr Walten — doch eigentlich nicht auf ihr Walten, sondern auf das Walten dessen, der ihren Lauf festgesetzt hat! Siehe: im Sommer, wenn sie höher steigt, verlängert sie die Tage, um den Menschen Zeit zur Arbeit zu geben, im Winter dagegen zieht sie den Kreislauf enger, um die kalten Tage zu verkürzen und die Nächte zu verlängern und so den Menschen Ruhe, den Pflanzen der Erde Fruchtbarkeit zu verschaffen. Achte darauf, wie die Tage in schöner Ordnung sich ablösen: im Sommer sind sie länger, im Winter kürzer, im Frühling und Herbst haben sie die Durchschnittslänge. In ähnlicher Weise lösen sich die Nächte ab, so daß der Psalmist sagen kann: „Der Tag ruft dem Tag das Wort zu, und die Nacht verkündet der Nacht die Weisheit“2. Den Häretikern nämlich, welche keine Ohren haben, schreien sie es gleichsam zu und lehren es durch ihre Ordnung: es gibt keinen anderen Gott als den, der alles geschaffen, bestimmt, geordnet hat3.