5.
Wenn dir das Evangelium sagt: „Stammbuch Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“1, dann hast du diese Worte auf seine menschliche Natur zu beziehen. Sohn Davids war er in der Fülle der Zeiten, Sohn Gottes aber ist er vor aller Zeit, ohne einen Anfang zu haben. Die Sohnschaft aus David hatte er nicht, diese erhielt er erst. Die Gottessohnschaft hat er, und er hat sie ewig als Geborener aus dem Vater. Christus hat zwei Väter: seinem Fleische nach hat er David zum Vater, als Gott hat er Gott zum Vater. Sofern er von David abstammt, ist er der Zeit unterworfen, kann berührt werden und hat Vorfahren. Sofern er Gott ist, ist er nicht der Zeit und dem Raume unterworfen und hat auch keine Vorfahren; denn „wer S. 164 wird sein Geschlecht aufzählen?“2 Gott ist ein Geist, und da er ein Geist ist und keinen Körper hat, hat er in geistiger Weise geboren in einer unergründlichen, unfaßbaren Geburt. Der Sohn selbst sagt von seinem Vater: „Der Herr sprach zu mir: Mein Sohn bist du, heute habe ich dich erzeugt“3. „Heute“ bedeutet nicht „eben erst“, sondern „ewig“; „heute“ ist soviel als „unzeitlich“, „vor aller Zeit“. „Aus dem Schoße vor Luzifer habe ich dich erzeugt“4.