26.
Er, der die Glieder gebildet hat, schämt sich nicht, aus solchen Gliedern Fleisch anzunehmen. Und wer lehrt uns dies? Zu Jeremias spricht der Herr: „Ehe ich dich aus dem Mutterleibe gebildet habe, kenne ich dich; ehe du aus der Mutter Schoß hervorgegangen bist, habe ich dich geheiligt“1. Hätte sich nun der, welcher sich nicht geschämt hatte, bei der Bildung der Menschen die Glieder zu berühren, schämen sollen, seinetwegen das heilige Fleisch, „die Hülle der Gottheit“2, zu bilden? Gott ist es, der immer noch die Frucht im Mutterleibe gestaltet, wie bei Job geschrieben ist: „Hast du mich nicht wie Milch gemolken, mich wie Käse S. 196 gerinnen lassen? Mit Haut und Fleisch hast du mich umgeben, aus Knochen und Sehnen mich zusammengefügt“3. Nichts Unreines ist an der Gestalt des Menschen, außer er befleckt sie durch Ehebruch und Unzucht. Der den Adam gebildet hat, hat auch die Eva gebildet. Von göttlichen Händen wurde Mann und Weib gebildet. Keines der Glieder am Leibe war anfänglich, bei seiner Erschaffung, unrein. Verstummen mögen alle Häretiker, welche die Körper bzw. den Schöpfer selbst anklagen! Wir wollen eingedenk sein des Wortes Pauli: „Wisset ihr nicht, daß unsere Leiber Tempel des Hl. Geistes sind, der in uns wohnt?“4 Im Namen Jesu hat der Prophet es vorherverkündet: „Mein Fleisch ist aus ihnen“5. Und an anderer Stelle ist geschrieben: „Deshalb wird er sie hingeben bis zur Zeit der Gebärenden“6. Und welches ist das Erkennungszeichen? Es heißt im Anschluß an jene Worte: „Sie wird gebären, und die übrigen ihrer Brüder werden sich bekehren“7. Welches ist der Mahlschatz der Jungfrau, der heiligen Braut? „Ich werde dich mir verloben in Treue“8. Ähnlich sagt Elisabeth zu ihr: „Selig ist, die geglaubt hat; denn es wird in Erfüllung gehen, was der Herr zu ihr gesagt hat“9.