29.
Da Jesus gekommen war, alle zu erlösen, nahm er solches Leiden auf sich. Doch das Volk lohnte es schlecht. Jesus, der aus hartem Felsen für sie S. 225 Wasserquellen ließ, muß sagen: „Mich dürstet“1. Er verlangte von dem Weinstock, den er gepflanzt hatte, Früchte. Doch was tat der Weinstock, der seiner Natur nach von den heiligen Vätern stammte, seiner Gesinnung nach aber aus Sodoma? „Ihr Weinstock ist nämlich aus Sodoma und ihre Rebe aus Gomorrha“2. Da der Herr dürstet, füllt man einen an einem Rohr befestigten Schwamm mit Essig und reicht ihm davon. „Und sie gaben mir Galle zur Speise, und in meinem Durste tränkten sie mich mit Essig“3. Deutlich haben, wie du siehst, die Propheten vorhergesprochen. Was für ein bitteres Getränk war es, das man ihm in den Mund gab? „Sie gaben ihm“ — heißt es — „mit Myrrhe gemischten Wein“4. Myrrhe ist nämlich gallig und bitter. So dankt ihr dem Herrn? Solche Gabe bringt der Weinstock seinem Herrn? Mit Recht weinte einst Isaias über euch und sagte: „Mein Geliebter hatte einen Weinberg auf einer Höhe, an fettem Orte“5. Um nicht die ganze Stelle zu zitieren: ‚„Ich erwartete — heißt es — daß er Trauben brächte‘ 6, (d. h.) ich dürstete darnach, daß er Wein gäbe. ,Doch er brachte Dornen‘7. Du siehst doch die Krone, welche ich trage. Wie lasse ich es nun merken? ,Den Wolken werde ich befehlen, nicht auf ihn zu regnen‘“8. Denn die Wolken, die Propheten, sind von ihnen genommen. Propheten gibt es von nun an (nur) noch in der Kirche. Darum sagt Paulus: „Zwei oder drei Propheten sollen reden, die übrigen sollen urteilen!“9 Und an anderer Stelle sagt er: „Gott hat in der Kirche die einen als Apostel, die anderen als Propheten aufgestellt“10. Ein Prophet war Agabus, der sich Füße und Hände band11.