10.
Zu welcher Zeit steht der Heiland auf? Ist es Sommer oder eine andere Zeit? Im Hohen Liede wiederum, und zwar kurz vor den erwähnten Worten, heißt es: „Der Winter ist vorüber, der Regen hat aufgehört und ist vorbei; die Blumen sind erschienen im Lande; gekommen ist die Zeit des Beschneidens“1. Ist jetzt nicht die Erde voll Blumen, werden jetzt nicht die Weinstöcke beschnitten? Wie du siehst, heißt es deutlich, daß bereits auch der Winter vorüber sei. Der Frühling hat bereits begonnen, da wir jetzt im Monat Xanthikos stehen2. Dies ist der erste Monat bei den Hebräern3, die Zeit, da einst das vorbildliche Ostern gefeiert wurde und jetzt das wahre Ostern gefeiert wird. Dies ist die Zeit, da die Welt erschaffen wurde. Denn seinerzeit hatte Gott gesprochen: „Die Erde bringe hervor die Pflanzen der Wiese, die Samen tragen entsprechend ihrer Eigenart!“4. Jetzt bringt jede Pflanze, wie du siehst, ihre Samen. Einstmals, als Gott Sonne und Mond erschuf, gab er diesen für Tag und Nacht gleichen Lauf — vor wenigen Tagen war Tag- und Nachtgleiche.
Dereinst sprach Gott: „Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bild und Gleichnisse!“5 Das Bild behielt der Mensch, das Gleichnis aber verlor er S. 242 durch seinen Ungehorsam6. Zu der gleichen Jahreszeit nun, da er das Gleichnis verloren hatte, wurde es auch wieder hergestellt. Zu derselben Zeit, da der erschaffene Mensch wegen seines Ungehorsams aus dem Paradiese vertrieben wurde, wurde der gläubige Mensch wegen seines Gehorsams in das Paradies eingeführt. Zu derselben Zeit, da der Sündenfall erfolgt war, kam auch die Erlösung; es war die Zeit der Blüten und der Beschneidung.
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Hoh. Lied 2, 11. 12. ↩
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Der Monat Xanthikos begann mit dem 24. oder 25. März. ↩
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═ Nisan. ↩
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Gen. 1, 11. ↩
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Ebd. [Gen.] 1, 26. ↩
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Zwischen „Bild“ und „Gleichnis“ unterscheiden u. a. auch Origenes, Gegen Celsus IV. 30; Tertullian, Über die Taufe 5. Unter „Gleichnis“ versteht Cyrill nach Katech. 17, 12 die Gnade des Geistes; was er unter „Bild“ versteht, lehrt Katech. 4, 18. ↩