15.
Weiter sagt Paulus: „Der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Heiligtum heißt“1. „Über alles, was Gott heißt“; offenbar wird nämlich der Antichrist die Götzenbilder hassen. „So daß er sich in den Tempel Gottes setzt“2. Was für ein Tempel ist es? Gemeint ist der zerstörte Tempel der Juden. Keineswegs darf darunter die Kirche verstanden werden, in der wir sind. Warum sagen wir dies? Damit man nicht meint, wir machen Anspruch auf die Ehre3. Wenn der Antichrist ausgibt, er sei der Messias, und zu den Juden kommt und von ihnen Verehrung beansprucht, um sie dann erst recht täuschen zu können, dann bemüht er sich eifrigst um den Tempel und erweckt den Schein, er S. 271 sei der Nachkomme Davids, welcher den von Salomo erbauten Tempel wieder aufbauen werde. Dann wird der Antichrist kommen, wenn gemäß der Prophezeiung des Heilandes4 am jüdischen Tempel kein Stein auf dem anderen bleibt. Dann, wenn durch den Zahn der Zeit oder durch einen zum Zwecke eines Neubaues oder aus anderen Gründen erfolgten Abbruch alle Steine — ich meine nicht der Umfassungsmauer, sondern des inneren Tempels, wo die Cherubim waren — zerstört sind, alsdann wird jener mit allen möglichen trügerischen Zeichen und Wundern kommen, sich über alle Götzen erheben und, nachdem er zuerst Menschenfreundlichkeit geheuchelt hat, seine Wildheit vor allem gegenüber den Heiligen Gottes kundtun. Denn es heißt: „Ich schaute, und jenes Horn führte Krieg mit den Heiligen“5. Und wiederum an anderer Stelle heißt es: „Und es wird eine Zeit der Trübsal sein, eine Trübsal, wie sie bis dahin nicht gewesen ist seit der Zeit, da Völker auf Erden sind“6. Schrecklich ist das Tier, groß der Drache, für Menschen schwer zu besiegen; bereit ist er, zu verschlingen.
Noch mehr könnten wir auf Grund der göttlichen Schriften über den Antichrist sagen, doch wir wollen uns beschränken und begnügen uns einstweilen damit.