Gegen die Juden.
S. 98 Auch die beiden letzten Schriften dieser Gruppe weisen auf die Lehrtätigkeit Tertullians hin, wenn sie auch nicht ausschließlich für Katechumenen geschrieben sind. In der ersteren „gegen die Juden" kommt er einem Christen zu Hilfe, der mit einem Juden, d.h einem Heiden, der zum Judentum übergetreten war, in eine Disputation sich eingelassen hatte. Tertullian hatte mit andern derselben beigewohnt und da es dabei etwas hitzig und ungeordnet hergegangen war, so untersuchte er später nochmals mit Ruhe die angeregten Fragen, nämlich ob die Menschen vor Abraham durch Beobachtung des Naturgesetzes geheiligt worden seien. Das Aufhören der jüdischen Zeremonien, als Opfer, Beschneidung, Sabbate, und das Ende der Zeremonialgesetze ist schon im Alten Testament vorhergesagt und längst eingetreten, da der Messias schon erschienen ist, wie aus Daniels Weissagung von den Jahreswochen ersichtlich. Diese Schrift ist die einzige, in welcher Tertullian das historische Gebiet streift.
Was den zweiten Teil Kap. 9-14 der Schrift betrifft, so ist es eine alte Streitfrage, ob derselbe Tertullian angehöre oder von einem andern hinzugefügt sei, der sie aus Adv. Marc. III c. 12-20, c. 27 und c. 7 ergänzte. Da Tertullian oft seine eigenen Schriften zitiert und die zwei Bücher gegen die Heiden in ähnlicher Weise im Apologeticus benützt hat, so kann man sich für die erstere Annahme entscheiden. Dann bleibt noch die zweite Frage offen, welche von beiden Schriften die frühere sei, ob die betreffenden Stücke ursprünglich für die Schrift gegen die Juden geschrieben und später für die Bücher gegen Marcion benützt worden seien oder umgekehrt. Wir möchten uns für die erstere Annahme entscheiden, da diese Stücke den Nachweis enthalten, daß die Weissagungen der Propheten über das Leiden des Messias und das von ihm zu errichtende Gottesreich ebenfalls in Christus erfüllt seien und deshalb zum wesentlichen Inhalt der Schrift gegen die Juden gehören. Wie dem aber auch sei, es genügt für die Zwecke S. 99 der Bibliothek der Kirchenväter eine einmalige Übersetzung jener Stücke und diese wird am besten bei den Büchern gegen Marcion gegeben werden, da sie dort mitten im dritten Buche stehen und schwer vermißt werden würden, hier aber den letzten Teil bilden.
