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Bibliothek der Kirchenväter
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Œuvres Tertullien (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

12. Cap. Daher sind Gerechtigkeit und Güte stets bei einander.

Wenn also zwischen der Güte und Gerechtigkeit eine Verbindung und ein innerer Zusammenhang vorhanden ist, so kann man sich eine Trennung derselben nicht vorstellen.1 Wie will man eine Verschiedenheit der beiden Götter statuieren und beide abgesondert für sich nehmen, den guten Gott für sich allein und den gerechten Gott auch allein? Das Gute ist nur da zu finden, wo Gerechtigkeit ist. Daher ist auch der Schöpfergott von Anfang an sowohl gut als gerecht, und beides hat sich in gleicher Weise fortgesetzt. Seine Güte hat die Welt geschaffen, seine Gerechtigkeit sie geleitet; dieselbe war es, die damals auch das Urteil abgab, dass die Welt aus guten Elementen zu erschaffen sei, indem sie unter dem Beirat der Güte urteilte. Ein Werk der Gerechtigkeit aber ist es, dass die Trennung von Licht und Finsternis ausgesprochen wurde, von Tag und Nacht, von Himmel und Erde, von oberem und unterem Gewässer, die Scheidung der Versammlung des Meeres von dem gewaltigen Bau der Erde, die Unterscheidung von grossen und kleinen Lichtern, von Lichtern für den Tag und Lichtern für die Nacht, die zwischen Mann und Weib, dem Baum S. 189 der Erkenntnis des Todes und des Lebens, der Erde und dem Paradiese, den Wasser- und Landtieren. Je nachdem die Güte für alles die Idee erfasste, so hat die Gerechtigkeit die Unterschiede durchgeführt. Alles dieses ist auf ein Urteil gegründet und angeordnet. Jede Stellung, das Aussehen der Elemente, Wirkung, Bewegung, Zustand, Entstehung und Untergang des einzelnen beruhen auf Urteilen des Schöpfers. Glaube nicht, dass man ihn erst von der Zeit an als Richter definieren müsse, wo das Böse seinen Anfang nimmt; durch einen schlechten Ursprung würdest Du der Gerechtigkeit einen Schandfleck anhängen. Denn wie wir gezeigt haben, sie ist in der Weise mit der Urheberin aller Dinge, der Güte, zu gleicher Zeit hervorgetreten, dass sie ebenfalls Gott angeboren und natürlich, nicht für bloss zufällig an ihm zu halten ist, da sie in Gott sichtbar wird als Begutachterin seiner Werke.


  1. Unter den vorhandenen Lesarten und Konjekturen scheint mir die des Latinius die beste: Separationem earum non potes capere. ↩

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
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