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Werke Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

19. Cap. Einige Lehren und Aussprüche Jehovas aus dem alten Testament, worin sich seine Liebe und Güte zeigt.

Allein er hat auch in den Verrichtungen des gewöhnlichen Lebens und des menschlichen Verkehrs, im Hause und draussen, in der Benutzung der Gefässe aller Art einen beständigen Unterschied statuiert, so dass die Juden, indem sich jene gesetzlichen Anleitungen allüberall einmischen, keinen Moment der Rücksicht auf Gott überhoben sind. Denn wodurch kann der Mensch sonst glücklich werden, wenn nicht dadurch, dass sein Wille beim Gesetze des Herrn ist und er Tag und Nacht über das Gesetz des Herrn nachsinnt? Dieses Gesetzes rührt nicht von Härte seines Urhebers her, sondern hat seinen Grund in dessen höchster Güte, welche vielmehr die Herzenshärte bändigen und den im Gehorsam noch ungetrübten Glauben durch mühevolle Verrichtungen geschmeidig machen will. Auf die geheimen Bedeutungen des Gesetzes, das geistig, prophetisch und fast in allen Punkten vorbildlich ist, will ich nicht eingehen. Denn augenblicklich genügt es, dass es einfach den Menschen für Gott in Pflicht nahm, so dass niemand es verwerfen darf, wenn er überhaupt gesonnen ist, Gott zu dienen.

S. 197 Dieselbe Güte Gottes war es auch, welche das Prophetentum anordnete, um dieses wohlthätige, keineswegs lästige Gesetz zu stützen. Gottes ganz würdig lehrte es, die Bosheit aus der Seele auszurotten, Wohlthätigkeit lernen, Sorgfalt im Aufsuchen der Richtersprüche üben, den Witwen und Waisen ihr Recht werden lassen, suchen und forschen, die Berührung mit Gottlosen meiden, die Betrübten in Ruhe lassen, den ungerechten Schuldschein zerreissen, sein Brot mit den Hungrigen brechen, dem, der kein Obdach hat, in sein Haus aufnehmen, wenn man einen Nackenden sieht, ihn bedecken, und die Knechte aus Deinem Volke nicht verachten, die Zunge vom Bösen fern halten und die Lippen, damit sie nichts Übles reden, das Böse meiden und Gutes thun, Frieden suchen und ihm nachjagen, zürnen und doch nicht sündigen, d. h. im Zorn nicht verharren und sich mässigen, nicht an den Ratschlägen der Gottlosen teilnehmen, noch auf dem Wege der Sünder stehen oder auf der Kathedra der Pestilenz sitzen. Aber wo? „Siehe, wie lieblich es ist, wenn Brüder bei einander wohnen,“1 Tag und Nacht über das Gesetz des Herrn nachdenkend, „weil es besser ist, auf den Herrn vertrauen, als auf Menschen“. Denn welchen Lohn hat Gott für den Menschen? „Er wird sein wie ein Baum, der an den Wasserquellen gepflanzt ist, wer seine Frucht gibt zu seiner Zeit, es wird kein Blatt von ihm abfallen und alles, was er thut, wird ihm gelingen.“2 „Der Unschuldige aber und der reines Herzens ist, der den Namen Gottes nicht vergeblich braucht und seinem Nächsten keinen Eid leistet in Arglist, der wird Segen vom Herrn empfangen und Barmherzigkeit vom Herrn, seinem Erlöser. Denn das Auge Gottes waltet über dem, der ihn fürchtet, der auf seine Barmherzigkeit hofft, um seine Seele vom Tode zu erretten und sie in der Hungersnot zu ernähren, nämlich für das ewige Leben. Denn viel sind der Drangsale des Gerechten und von ihnen allen wird ihn der Herr befreien. Schätzbar in den Augen Gottes ist der Tod seiner Gerechten. Der Herr wird alle ihre Gebeine hüten, es wird keines davon gebrochen werden. Gott wird die Seelen seiner Diener erretten.“ Wir haben nur diese wenigen Stellen aus den hl. Schriften des Schöpfergottes beigebracht und doch glaube ich, es fehlt ihm schon nichts mehr an dem Zeugnis, dass er ein sehr guter Gott sei. Seine gütigen Anleitungen und Warnungen bestätigen es zur Genüge.


  1. Ps. 133, 1 [= Ps. 132, 1]. ↩

  2. Ps. 1, 3. ↩

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Kommentare zu diesem Werk
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