Ueber die Taufe.
S. 96 Ein Mitglied der Sekte der Cajaner hatte in der Gemeinde gegen die Taufe rationalistische Einwendungen erhoben und, wie es scheint, damit bei einigen Eindruck gemacht. Wie durch eine Abwaschung des Körpers die Seele von Sünden gereinigt und dem ewigen Tode entrissen werden könne? fragte man. Weder Christus noch die Apostel hätten die Taufe empfangen, Paulus sage, er sei nicht gesendet, um zu taufen, sondern um zu lehren, das waren im wesentlichen die Gründe, worauf jener Häretiker die Behauptung stützte, die Taufe sei zum Heile nicht notwendig.
Dagegen führt Tertullian aus, das Wasser habe in der Heilsökonomie stets eine hervorragende Rolle gespielt, es sei von Gott geheiligt worden und eigne sich als Symbol der Reinigung und Sühnung, wozu es ja sogar auch im heidnischen Kultus angewendet werde, sehr gut zum Träger der Heilsgnade; denn die leibliche Abwaschung sei es nicht allein, wodurch die Heilsgnade bewirkt wird. Er bespricht nun c. 6-9 die Akte, welche den religiösen Charakter der Taufe ausmachen. Die Johannestaufe sei nur eine Bußtaufe gewesen und habe den Hl. Geist nicht mitgeteilt. Christus habe allerdings nicht getauft, aber seine Jünger mit der Spendung der Taufe beauftragt c. 11. Dann sucht er zu erklären, wie es komme, daß die Apostel nicht getauft worden seien, ausgenommen Paulus c. 12 und 13, der seinerseits in mehreren Fällen die Taufe gespendet habe.
Nachdem die Einwendungen der Häretiker gegen die Taufe abgewiesen und die eigentliche Aufgabe der Schrift erledigt ist, wird c. 15 zu anderweitigen Erörterungen übergegangen, die für uns auch sehr wertvoll sind.
Die Taufe durch Häretiker wird für ungültig erklärt, weil dieselben einen andern Gott verehren als die Christen. Dabei ist zu bedenken, daß die Häretiker zur Zeit Tertullians durchweg in der Lehre über Gott irrten S. 97 oder Antitrinitarier waren. Dann wird über die Bluttaufe gesprochen. Die Taufe solcher Personen, auf deren sittliche Korrektheit nach der Taufe man sich nicht verlassen kann, will Tertullian hinausgeschoben wissen und rät darum von der Taufe der unmündigen Kinder, der Unverheirateten und der Witwen ab, ohne sie gerade zu verbieten. Zuletzt wird über die Zeit der Erteilung und die Vorbereitung auf die Taufe gesprochen, wovon ein detailliertes Bekenntnis der begangenen Sünden, welches auch von Cyrill. Cat. I 5 gefordert wird, einen notwendigen Bestandteil bildet c. 20.
Diese Schrift ist in archäologischer Beziehung sehr wichtig und gehört trotz einiger gewagten Behauptungen zu den schönsten und geistreichsten des Autors. Er verfaßte sie als Katholik, wie der Ausspruch beweist: „Feindschaft gegen den Episkopat ist die Mutter der Spaltungen" c. 17. Ebenda wird Achtung vor dem Klerus und Unterordnung unter denselben verlangt. Der Autor spricht mit Bescheidenheit, wie es seiner geringen Person geziemt c. 10, war also nicht Priester und empfiehlt sich als Sünder der Fürbitte seiner Leser c. 20 u. f.
Als Leser denkt er sich Leute, welche nächstens die Taufe empfangen werden c. 20 u. f. und wiederum solche, die sie vor kurzem empfangen haben c. 1, also wie die technischen Ausdrücke lauten: Neophyten und Katechumenen c. 1 und c. 20.
Die Zeit der Abfassung zu bestimmen fehlen dieAnhaltspunkte. Ihrem Charakter nach gehört sie zu den theologischen Schriften der ersten Periode, aber an das Ende derselben, da sie gegen eine bestimmte Häresie gerichtet ist und bereits fertige theologische Begriffe zeigt, namentlich war dem Autor der Ausdruck Praescriptio schon geläufig c. 3. Seine älteste Schrift ist sie keinesfalls, da ihr schon eine Schrift über die Ungültigkeit der Ketzertaufe, also über einen spezifisch theologischen Gegenstand vorausgegangen war c. 15. Mit solchen Schriften aber pflegt ein Neophyt nicht zu debütieren. Verfaßt ist die Schrift ohne Zweifel in Karthago (istic c.l).
