5.
S. 97 Aber — wird man einwenden — wenn das Wesen Gottes unfaßbar ist, warum redest du davon?
Soll ich vielleicht, da ich nicht den ganzen Fluß auszutrinken vermag, nicht so viel zu mir nehmen, als mir gut tut? Soll ich, da meine Augen nicht die ganze Sonne zu fassen vermögen, sie auch nicht soweit ansehen, als für mich notwendig ist? Oder wenn ich einen großen Garten betrete und daselbst nicht den ganzen Bestand an Früchten essen kann, willst du, daß ich ganz hungrig wieder fortgehe?
Ich lobe und verherrliche unseren Schöpfer; denn ein göttlicher Befehl lautet: „Jeder Geist lobe den Herrn!“1 Ich versuche jetzt den Herrn zu verherrlichen, nicht ihn zu erklären. Zwar weiß ich, daß ich seine Majestät nicht genügend verherrlichen werde, doch halte ich es für religiöse Pflicht, dies irgendwie zu versuchen. In meiner Schwachheit tröstet mich das Wort des Herrn Jesus: „Niemand hat Gott je gesehen“2.