18.
[Forts. v. S. 172 ] „Wer den Sohn gesehen hat, hat den Vater gesehen“1; denn in allem ist der Sohn dem Erzeuger ähnlich. Leben wurde aus dem Leben, Licht aus dem Lichte, Kraft aus der Kraft, Gott aus Gott erzeugt. Die göttlichen Eigenschaften sind im Sohne unveränderlich. Wer gewürdigt wurde, die Gottheit des Sohnes zu schauen, gelangt zum Genusse seines Erzeugers. Nicht meine Lehre ist es, sondern die Lehre des eingeborenen Sohnes: „So lange bin ich bei euch, und nicht hast du mich erkannt, Philippus; wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“2. Um es kurz zu sagen, wir wollen Vater und Sohn weder trennen noch vermengen. Nie darfst du sagen, der Sohn sei dem Vater fremd, noch darfst du dich denen anschließen, welche lehren, der Vater sei bald Vater, bald Sohn. Das sind fremde und gottlose und keine kirchliche Lehren. Der Vater, der den Sohn erzeugt hat, blieb Vater, und nicht hat er sich geändert. Er hat die Weisheit geboren, ohne jedoch unweise zu werden. Er hat die Kraft geboren, ohne an Kraft zu verlieren. Er hat Gott geboren, ohne der Gottheit beraubt zu werden. Weder hat er selbst durch Verminderung oder Veränderung etwas verloren noch leidet der Erzeugte an irgend etwas Mangel. Vollkommen ist der Erzeuger, vollkommen der Erzeugte. Gott ist der Erzeuger, Gott der Erzeugte. Dieser ist der Gott aller, bezeichnet aber als seinen Gott den Vater; denn nicht schämt er sich zu sagen: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott“3.