30.
Das Schriftwort: „Wenn ihm alles unterworfen sein wird, dann wird auch der Sohn selbst sich dem unterwerfen, der ihm alles unterworfen hat“1, soll — so wird kühn behauptet — lehren, daß der Sohn sich im Vater auflöse. Ihr also, ihr Allergottlosesten, ihr bleibt als Geschöpfe Christi, und Christus, durch welchen ihr und alles geworden ist, geht zugrunde? Eine gotteslästerliche Sprache! Wie wird denn ihm alles unterworfen werden? Dadurch, daß es zugrunde geht, oder dadurch, daß es bleibt? Wenn das, was dem Sohne unterworfen ist, bleibt, wird dann der Sohn, wenn er sich dem Vater unterwirft, nicht bleiben? Wenn es heißt: „Er wird sich unterwerfen“, so ist nicht gesagt: er fängt alsdann erst an, dem Vater zu gehorchen; denn immer und ewig tut er, was ihm wohlgefällig ist2. Es will vielmehr gesagt sein: Auch dann gehorcht er nicht in erzwungenem Gehorsam, sondern in freiwilliger Hingabe. Denn nicht unterwirft er sich als Sklave einem S. 284 Zwange, sondern er gehorcht als Sohn freiwillig und aus Liebe.