16.
Viele Stellen der Schrift bezeugen die Auferstehung der Toten. Es gibt nämlich noch mehrere andere Schriftworte hierüber. Vorübergehend erinnern wir jetzt nur an die nach vier Tagen erfolgte Auferstehung des Lazarus, vorübergehend — mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit — an die Auferweckung des Sohnes der Witwe. Nebenbei sei jetzt auch nur erinnert an die Tochter des Synagogenvorstehers. Erwähnt sei noch, daß die Felsen sprangen, die Gräber sich öffneten und die Leiber vieler entschlafener Heiligen auferstanden. Vor allem aber sei an die Auferstehung Christi von den Toten erinnert. Nicht erwähnt habe ich, wie Elias den Sohn der Witwe von den Toten erweckte1, nicht erwähnt habe ich, wie Elisäus zweimal Tote erweckte, das eine Mal zu seinen Lebzeiten, das andere Mal nach seinem Tode2. Zu seinen Lebzeiten wirkte seine Seele die Auferstehung. Damit man aber nicht nur die Seele der Gerechten ehre, sondern glaube, daß auch dem Körper der Gerechten Kraft innewohne, so erhielt der Leichnam, welcher in das Grab des Elisäus gelegt wurde, wieder das Leben, sobald er den toten Körper des S. 348 Propheten berührt hatte. Der Leichnam des Propheten wirkte, was die Seele gewirkt hatte. Der Körper, der tot im Grabe lag, verlieh dem Toten Leben, und er blieb tot auch noch, nachdem er das Leben verliehen hatte. Warum? Man sollte nicht, im Falle einer Auferstehung des Elisäus, jenes Wunder nur seiner Seele zuschreiben; es sollte sich vielmehr zeigen, daß in den Körpern der Heiligen, auch wenn sie bereits entseelt sind, noch eine Kraft ist, und zwar deshalb, weil in diesen Körpern so viele Jahre lang eine gerechte Seele gewohnt hat, welcher der Körper gedient hat. Huldigen wir nicht töricht dem Unglauben, gleich als wenn das Wunder nicht geschehen wäre! Wenn nämlich Schweißtücher und Leibwäsche, sobald sie mit kranken Körpern in Berührung kamen, die Kranken aufrichteten3, um wieviel mehr vermochte der Leichnam des Propheten den Toten zu erwecken!