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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

4. Cap. Gottes Güte schuf zuerst einen Wohnsitz für die Menschen, dann diese selber und gab ihnen aus Güte ein Gesetz.

Da also die Güte Gottes selbst Vorsorge getroffen hat, dass der Mensch zur Erkenntnis Gottes gelange, so fügt sie diesem ihrem Verdienste auch noch das hinzu, dass sie noch vorher auf eine Wohnung für den Menschen bedacht war, die nachmals ein sehr grosser Bau, und später ein noch grösserer werden sollte. So sollte der Mensch im Kleinen seine Vorschule für das Grosse haben, zu demselben fortschreiten und so von den guten Gaben Gottes, d. h. vom Grossen, zum Besten, d. h. zu einer noch grösseren Wohnung gelangen. Er bedient sich zu seinem guten Werke eines trefflichen Gehülfen, seines Wortes. „Aus meinem Herzen“, heisst es, „entquoll mein sehr treffliches Wort“.1 Darin sollte Marcion die erste treffliche Frucht des selbstverständlich trefflichen Baumes erkennen! Nur ein unerfahrener Landwirt pfropft einen guten Baum auf einen schlechten. — Allein das Reis der Gotteslästerung wird nicht zu Kräften kommen; es wird mit seinem Meister verdorren, und so wird sich die Natur des guten Baumes dokumentieren.

S. 176 Schau überhaupt hin, was für Früchte hat das hl. Wort hervorgebracht? — „Gott sprach, es werde, und es geschah, und Gott sah, dass es gut war“, nicht wie einer, der nicht wüsste, was gut sei, ohne es gesehen zu haben, sondern weil es gut war, darum sah er es an und erteilte, indem er sich es anzusehen würdigte, der Güte seiner Werke Ehre, Besiegelung und Vollendung. So segnete er denn auch das, was er so wohl gemacht hatte, um sich Dir als der ganze Gott zu empfehlen, als gut in seinen Worten und in seinen Werken. Den Fluch auszusprechen verstand das Wort noch nicht, weil es etwas schlecht zu machen nicht verstand. Wir werden die Ursachen kennen lernen, welche Gott auch dazu nötigten. Vorläufig bestand die Welt nur aus guten Bestandteilen und gab genugsam zu erkennen, welch grosse Güter für denjenigen bereit gehalten würden, für welchen dieses alles bestimmt war.

Wer wäre nun würdiger, die Werke Gottes seine Wohnung zu nennen, als das Ebenbild und Gleichnis Gottes?! Auch dieses wurde gleichfalls durch die göttliche Güte, und zwar mit grösserer Sorgfalt gebildet, nicht durch die befehlenden Worte, sondern mit liebender Hand und mit Vorausschickung des milden Wortes: „Lasset uns den Menschen machen, nach unserm Bilde und Gleichnisse!“ Die Güte war es, die sprach, die Güte war es, welche aus Lehm den Menschen zu einer so erhabenen Fleischessubstanz formte, die, obwohl nur aus einer einzigen Materie bestehend, doch mit so vielen Eigenschaften ausgerüstet ist. Die Güte war es, die ihm die Seele einhauchte, keine tote, sondern eine lebendige. Die Güte war es, die ihn über alle Dinge setzte, um sie zu geniessen, zu leiten und ihnen auch Namen zu geben. Die Güte war es, die dem Menschen noch obendrein Annehmlichkeiten gewährte, so zwar, dass er, obwohl Besitzer des ganzen Erdkreises, doch in den lieblicheren Teilen desselben weilte, im Paradiese, also eigentlich schon damals aus der Welt in die Kirche versetzt. Dieselbe Güte war es, die ihn auch mit einer Gehilfin versorgte, damit nichts nicht gut sei. Denn „es ist nicht gut,“ sprach sie, „dass der Mensch allein sei.“ Sie wusste wohl, dass Mariens Geschlecht ihm und später der Kirche von Nutzen sein würde.

Auch das Gesetz, welches Du so heftig anklagst, welches Du so in Kontroversen herumzerrst, es ist auch von der Güte erlassen, die dafür besorgt war, dass der Mensch Gott anhange und nicht sowohl frei als vielmehr verstossen erscheine. Er hätte dann seinen eigenen Dienern, den übrigen lebenden Wesen, den Tieren, gleich gestanden, welche ohne Verbindung mit Gott, von ihm verschmäht, sich selbst überlassen sind. Aber er als Mensch sollte allein den Ruhm haben, allein für würdig erachtet werden, von Gott ein Gesetz zu empfangen und als vernünftiges, der Erkenntnis und Wissenschaft fähiges Wesen auch durch die S. 177 vernünftige Freiheit selbst in Schranken gehalten werden, dem unterwürfig, der ihm alles unterworfen hatte. Als Mahnung, dieses Gesetz zu beobachten, hatte die Güte noch beigefügt: „An welchem Tage ihr davon esset, werdet ihr sterben.“ Mit höchstem Wohlwollen also hatte sie ihm die Folgen seiner Übertretung im voraus angezeigt, damit nicht die Nachlässigkeit im Gehorchen durch Unkenntnis der drohenden Gefahr gesteigert würde. War nun für Auflegung des Gesetzes ein guter Grund vorhanden, so lag ein solcher auch nachher vor, dasselbe zu beobachten, indem für die Übertretung die Strafe beigesetzt war, deren Eintritt aber der, welcher sie vorher ankündigte, jedenfalls nicht wünschte. Erkenne also nunmehr die Güte unseres Gottes an, schon auf Grund seiner bisherigen guten Thaten, seiner Segnungen, seiner Nachsicht, seiner Massregeln, seiner Gesetze und seiner gütigen wohlwollenden Warnungen.


  1. Ps. 44, 2. ↩

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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