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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

8. Cap. Gott hat den Menschen zum sittlich guten Leben befähigt und bestimmt. Das folgt daraus, dass letzterer noch jetzt durch den Gebrauch seiner Willensfreiheit zu seinem Ziele gelangt.

Denn Gott hat den Menschen nicht bloss zu einem leiblichen Leben erschaffen, als sollte er nicht auch sittlich gut leben, im Hinblick nämlich auf Gott und sein Gesetz. Das Leben war ihm allerdings unmittelbar von Gott selbst verliehen, da derselbe ihn zur „lebenden Seele“ machte; sittlich gut zu leben aber war ihm nun aufgegeben worden, indem er zum Gehorsam gegen das Gesetz ermahnt worden war. Derjenige, der jetzt wünscht und zu erkennen gibt, dass der Mensch das Leben wieder erlange, indem er die Busse des Sünders will, nicht seinen Tod,1 der gibt damit auch zu erkennen, dass der Mensch nicht zum Tode geschaffen war. Wie Gott dem Menschen also den Zustand des Lebens verlieh, so zog der Mensch sich den Zustand des Todes zu, und auch das noch nicht einmal infolge von Schwäche oder Unwissenheit, weshalb auf den Schöpfer durchaus keine Schuld fällt. Wenn es auch ein Engel war, der ihn verführte, so war doch der Verführte selbst frei und sein eigener Herr, war Bild und Gleichnis Gottes und daher stärker als der Engel, war der Anhauch Gottes und deshalb edler als der materielle Geist, aus dem die Engel bestanden. „Er machte“, heisst es, „die Winde zu Engeln, und die Feuerflamme zu Dienern.“2 Er hätte auch dem Menschen S. 183 nicht das Weltall unterworfen, wenn er zum Herrschen zu schwach und nicht besser gewesen wäre als die Engel, denen er nichts derart unterstellt hat. Ebensowenig hätte er ihm die Last des Gesetzes auferlegt, wenn das Gesetz ihm zu schwer und er zu schwach gewesen wäre, es zu tragen. Auch hätte er einen, der, wie er wusste, wegen seiner Schwäche entschuldbar war, nicht vor Gericht gezogen, um die Todesstrafe über ihn zu verhängen. Endlich hätte Gott einen wirklichen Schwächezustand des Menschen bewirkt nicht durch Verleihung der Freiheit und Selbstbestimmung, sondern vielmehr durch deren Mangel. Daher macht jetzt dieselbe Freiheit und Macht des Willens ebendenselben Menschen, dieselbe Seelensubstanz, und denselben Adamszustand zum Sieger über ebendenselben Teufel, wenn sie in Gehorsam gegen Gottes Gesetz angewendet wird.


  1. Ezech. 18, 23. ↩

  2. Ps. 104, 4. ↩

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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