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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

14. Cap. Widerlegung eines aus Is. 45, 7 entnommenen Einwandes, die Strafen Gottes betreffend.

In allem stellt Gott sich Dir als der entgegen, der Wunden schlägt, aber sie auch heilt; der tötet, aber auch lebendig macht, demütiget, aber auch erhöhet, Übles bewirkt, aber auch Frieden schaffet, um auch in diesem Punkte den Häretikern die Antwort nicht schuldig zu bleiben. Denn siehe, werfen sie ein, er selbst gesteht, Urheber des Übels zu sein, wenn er sagt: „Ich bin es, der Übles bewirkt.“1 Sie klammern sich nämlich an den gemeinsamen Ausdruck, der zwei Arten von Übeln in zweideutiger Weise durcheinander wirft, indem sowohl die Sünden als die Strafen der Sünden so bezeichnet werden, und wollen Gott als Schöpfer der Übel im allgemeinen angesehen wissen, um ihn damit zum Urheber des Bösen zu machen.

S. 191 Wir aber machen einen Unterschied zwischen beiden Arten, wir trennen das Übel der Sünde vom Übel der Strafe, das Übel der Schuld von seinen Folgen und geben jedem von beiden seinen besondern Urheber, nämlich dem Übel der Sünde und Schuld den Teufel, dem Übel der Strafe und Züchtigung den Schöpfer. So muss das eine als Bosheit erscheinen, das andere als Gerechtigkeit, welche gegen die Übel der Schuld die Urteile fällt. Zu diesen Übeln also, welche sich für das Richteramt passen, bekennt sich der Herr.2 Sie sind allerdings Übel für die, welche davon getroffen werden, im übrigen aber sind sie an sich gut, denn sie sind gerecht, dienen zum Schutz des Guten und gegen das Böse und sind in dieser Ordnung Gottes würdig. Oder aber Du musst, um zu zeigen, dass sie der Bosheit angehören, d. h. für Übel der Ungerechtigkeit seien, den Beweis liefern, dass sie ungerecht sind. Denn wenn sie zur Übung der Gerechtigkeit gehören, so sind sie schon keine Übel mehr, sondern gut. Übel sind sie nur für die Bösen, von welchen das Gute ja auch geradezu als etwas Übles verflucht wird.

Beweise, dass der Mensch, obwohl freiwilliger Verächter des göttlichen Gesetzes, ungerechterweise von dem getroffen worden sei, wovon er gern verschont bleiben wollte; beweise, dass mit Unrecht die Gottlosigkeit der betreffenden Zeit erst durch die Sündflut, sodann durch Feuer gezüchtigt, und dass die abscheulichen, abergläubischen Ägypter, welche das als Gast aufgenommene Volk bedrängten, mit Unrecht von den zehn Plagen heimgesucht worden seien. Gott verhärtete Pharaos Herz, aber dieser hatte es längst verdient, dem Verderben preisgegeben zu werden, da er bereits Gott geleugnet, dessen Gesandte schon so oft hochfahrend fortgejagt und dem Volke Frondienste auferlegt hatte. Derselbe war endlich als Ägypter schon längst vor Gott mit der Schuld heidnischen Götzendienstes beladen, da er lieber den Ibis und das Krokodil verehrte, als den wahren Gott. Gott vertilgte sogar sein Volk selbst — es war undankbar geworden; er schickte auch Bären über die Knaben — dieselben waren gegen seinen Propheten unehrerbietig gewesen.


  1. Is. 45, 7. ↩

  2. Oben Is. 45,7. ↩

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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