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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

17. Cap. Güte und Strenge vertragen sich sehr gut als Eigenschaften desselben Gottes, wie denn Jehova der angeblich bloss gerechte Gott des alten Testamentes auch viele Beweise seiner Güte gegeben hat.

Obige Erwägungen zeigen, dass das gesamte Verhalten Gottes in seinem Richteramt nichts anderes sei als die Verwirklichung oder, um mich angemessener auszudrücken, die Wahrung jener universalen und höchsten Güte. Letztere wollen die Marcioniten, weil mit der Vorstellung von einem Richter unverträglich und in ihrem Wesen ganz ohne Beimischung, nicht als in einem und demselben Gott existierend anerkennen, weil er über Gute und Böse regnen und seine Sonne über Gerechte und Ungerechte aufgehen lasse, was der andere Gott durchaus nicht thut. Denn obwohl Marcion auch diesen den Schöpfergott betreffenden Ausspruch Christi aus dem Evangelium auszumerzen gewagt hat, so trägt ihn doch das Weltall selbst als Überschrift und jede Erkenntnis kann sie lesen.

Es dürfte dies eben die Langmut sein, welche der Schöpfer mit Marcions Urteil über ihn übt, jene Langmut, welche mehr auf die Busse des Sünders wartet, als auf seinen Tod, und lieber Erbarmung will als Opfer, welche den über die Niniviten bereits verhängten Untergang abwendete, um der Thränen des Ezechias willen ihm das Leben noch fristete und dem Tyrannen von Babylon, nachdem er Busse gethan, in seine frühere Regierung wieder einsetzte; jene Erbarmung meine ich, welche Sauls Sohn, als er sterben sollte, dem Volke auf dessen Wunsch hin wiedergab, dem David, als er seinen Frevel gegen Urias' Haus bekannt hatte, Verzeihung gewährte, Israel selbst jedesmal wieder begnadigte, so oft es von ihm verurteilt worden war, und es jedesmal wieder tröstete, wenn er es gezüchtigt hatte.

S. 195 Sieh also nicht bloss auf seine Thätigkeit als Richter, sondern schaue auch hin auf die Beweise seiner grossen Güte. Wenn Du wahrnimmst, dass er züchtigt, so betrachte auch, wie er verzeiht. Wäge seine Strenge und Milde gegen einander ab. Weil beides beim Schöpfergott anzutreffen ist, so wird sich bei ihm auch das finden, weshalb Du an das Vorhandensein eines zweiten Gottes glaubst. Dann gehe weiter zur Betrachtung seiner Lehren, Sittenlehren, Vorschriften und Ratschläge über! Du wirst vielleicht einwenden, diese Bestimmungen fänden sich auch in den menschlichen Gesetzen. Allein Moyses und Gott waren vor Lykurg und Solon da. Jede nachfolgende Entwicklung nimmt von der uranfänglichen etwas an. Desungeachtet hat mein Schöpfergott es nicht Deinem erst abgelernt, Gott die Vorschrift zu geben: Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, kein falsches Zeugnis geben, fremdes Gut nicht begehren, Vater und Mutter ehren und Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst. Zu diesen Grundlagen der Sittenreinheit, Sittsamkeit, Gerechtigkeit und Liebe kommen dann noch Gebote der Menschlichkeit, z. B. wenn in jedem siebenten Jahre die Sklaven in Freiheit gesetzt wurden, wenn in derselben Zeit der Acker ruhete, den Armen das Feld überlassen und wenn dem dreschenden Ochsen das Maul offen gelassen wurde, so dass er von seiner dermaligen Arbeit auch etwas geniessen konnte, damit die Menschlichkeit, die sich am Vieh leichter heranbildet, auch den Menschen Erleichterung gewähren lerne.

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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