• Home
  • Works
  • Introduction Guide Collaboration Sponsors / Collaborators Copyrights Contact Imprint
Bibliothek der Kirchenväter
Search
DE EN FR
Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

20. Cap. Über den Diebstahl, den Jehova den Hebräern an den Ägyptern auszuüben befahl.

Aber freilich, diese Tintenfische — als ein Vorbild solcher Leute wie sie, war das genannte Seetier von der Zahl der gesetzlich erlaubten Speisen ausgeschlossen — trüben hier, sobald sie merken, dass sie erwischt werden, das Wasser, indem sie den Schleim ihrer Gotteslästerungen von sich geben und lenken die Aufmerksamkeit eines jeden, der S. 198 ihnen auf der Spur ist, ab, indem sie beständig Dinge geltend machen und hervorheben, wodurch die sich kundgebende Güte des Schöpfergottes verdunkelt wird. Aber folgen wir der Bosheit auch in diese Dunkelheiten hinein, um die Schliche der Finsternis ans Licht zu ziehen, womit sie dem Schöpfergott am meisten den bekannten Raub der Gold und Silbersachen, den er den Hebräern an den Ägyptern zu begehen befahl, zum Vorwurf machen.1

Wohlan, ich fordere Dich nun auf, unseliger Häretiker, selbst Schiedsrichter zu sein, unterrichte Dich erst in betreff beider Völker und dann bilde Dir ein Urteil über den in Rede stehenden Befehl. Die Ägypter fordern von den Hebräern goldene und silberne Gefässe zurück. Die Hebräer erheben ihrerseits Gegenforderungen, indem sie für sich und im Namen ihrer Väter auf Grund desselben Buches der hl. Schrift geltend machen, dass ihnen der Tagelohn für ihre Frondienste in den Ziegeleien und bei der Erbauung von Städten und Weilern erstattet werden müsse.

Wie wirst Du entscheiden ? Du, der es mit dem eminent guten Gott hält? Müssen die Hebräer ihren Diebstahl zugestehen oder die Ägypter die Schadloshaltung gestatten? Denn in diesem Sinne soll durch Gesandte von beiden Seiten verhandelt worden sein, dass die Ägypter ihre Geräte wiederforderten, die Hebräer aber ihren Tagelohn verlangten. Doch haben die Ägypter dabei aus Gerechtigkeit auf diese Gefässe verzichtet.2 Heute machen die Hebräer gegen die Marcioniten noch ein Mehreres geltend und sagen, so viel Gold und Silber sie auch erhalten haben mögen, so reiche es doch zur Entschädigung nicht hin, wenn die von 600 000 Mann so viele Jahre hindurch verrichteten Arbeiten auch nur zu einem Groschen täglich geschätzt würden. Welche von beiden Partieen hat die Mehrzahl? die, welche die Gefässe zurückverlangen, oder die, welche die Weiler und Städte bewohnen? Ist das Klageobject der Ägypter bedeutender oder die Gnade für die Hebräer? Setzen wir den Fall, die Hebräer hätten den Ägyptern eine blosse Klage wegen Beeinträchtigung entgegengestellt, indem sie als freie Menschen zur Zwangsarbeit gezwungen worden waren, und dem Amtsschreiber vor seinen Gerichtsschranken nur ihre durch schmachvolle und grausame Geisselhiebe zerfleischten Schultern gezeigt, so würde er das Urteil gesprochen haben, man müsse die Hebräer nicht bloss mit den paar Schüsseln und Bechern der Reichen, die natürlich an Zahl überall geringer sind, sondern mit deren gesamter Habe und durch Beisteuern sämtlicher Volksangehörigen entschädigen.

War also die Sache der Hebräer die gerechte, so ist auch sofort die Sache des Schöpfergottes gerecht, d. h. sein Befehl, wodurch er die S. 199 Ägypter, ohne dass sie darum wussten, zur Erkenntlichkeit zwang und sein Volk zur Zeit des Auszuges wenigstens durch den kleinen Trost einer geheimen Schadloshaltung zufriedenstellte. Offenbar hat er ihm noch zu wenig mitzunehmen befohlen. Eigentlich hätten die Ägypter den Hebräern auch ihre Söhne wieder erstatten müssen.


  1. II. Mos. 3, 22; 11, 2 und 12, 36. ↩

  2. Die Lesarten variieren an dieser Stelle. ↩

pattern
  Print   Report an error
  • Show the text
  • Bibliographic Reference
  • Scans for this version
Download
  • docxDOCX (164.63 kB)
  • epubEPUB (168.70 kB)
  • pdfPDF (551.88 kB)
  • rtfRTF (437.04 kB)
Translations of this Work
Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

Contents

Faculty of Theology, Patristics and History of the Early Church
Miséricorde, Av. Europe 20, CH 1700 Fribourg

© 2026 Gregor Emmenegger
Imprint
Privacy policy