21. Cap. Über den Vorwurf, dass er selber sein eigenes Sabbatsgebot übertreten habe.
In ähnlicher Weise macht man ihm auch in den übrigen Fällen Zuwiderhandlungen gegen seine Gebote zum Vorwurf: er sei wankelmütig und unbeständig; er verbiete, am Sabbat zu arbeiten, und befehle dennoch, bei der Belagerung der Stadt Jericho die Bundeslade acht Tage hindurch, d. h. also auch am Sabbat, herumzutragen.1 — Nicht einmal das Gesetz in betreff des Sabbats durchschaust Du richtig; es verbietet bloss menschliche Arbeiten, nicht aber solche für Gott. An sechs Tagen, heisst es, sollst du arbeiten und alle deine Verrichtungen besorgen, am siebenten Tage aber sind die Sabbate für den Herrn, deinen Gott; an ihm sollst du keine Arbeit verrichten. Welche Arbeiten nicht? Offenbar die für dich bestimmten. Denn es ist logische Notwendigkeit, dass er für den Sabbat die Arbeiten verbietet, welche er für die sechs Wochentage angesagt hatte, nämlich die deinigen, d. h. die menschlichen und alltäglichen. Die Bundeslade herumzutragen kann aber weder als eine alltägliche noch als eine niedere menschliche Arbeit angesehen werden, sondern es ist etwas Ungewöhnliches, Heiliges und, infolge der damaligen Vorschrift Gottes, ganz gewiss etwas Göttliches.
Ich würde mich auch darüber noch verbreiten, anzugeben, was das bedeutete, wäre es nicht zu weitläufig, den figürlichen Sinn aller solcher weisen Anordnungen des Schöpfergottes darzulegen, die man dann vielleicht doch nicht einmal zugeben würde. Von grösserem Belang ist es, wenn Ihr in ausgemachten Sachen des Irrtums überwiesen werdet durch die nackte Wahrheit, nicht durch Grübeleien. So ist denn auch jetzt die Unterscheidung in betreff des Sabbats, dass er nur die Arbeiten für die Menschen, nicht die Gottes verbiete, eine ausgemachte Sache. Darum wurde der, welcher am Sabbate Holz holen gegangen war, mit dem Tode bestraft. Denn er hatte eine Arbeit zu seinem Nutzen verrichtet, was durch das Gesetz verboten war. Diejenigen aber, welche die Bundeslade am Sabbat umhertrugen, thaten es, ohne gestraft zu werden. Denn sie verrichteten keine Arbeit für sich, sondern für Gott, und zwar wohl gemerkt infolge seines eigenen Befehls.
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II. Mos 20, 9. ↩