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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

23. Cap. Ob Jehova einzelne Menschen ungleich und mit Wankelmut behandelt habe?

Wollt Ihr aber zu verstehen geben, er verfahre in der Behandlung von Personen leichtsinnig, wenn er Leute, die sich lange bewährt haben, verwirft, und handle ohne Umsicht, wenn er solche, die er verwerfen muss, manchmal lobt und damit sozusagen, entweder seine früheren Urteile umstösst oder seine zukünftigen noch nicht vorhersieht — so sage ich dagegen, nichts steht einem guten Richter so sehr an, als zu verwerfen und auszuerwählen nach den jedesmaligen Verdiensten. Saul wird auserwählt, aber zur Zeit, als er dem Propheten Samuel noch nicht seine Verachtung kundgegeben hatte. Salomon wird verworfen, aber erst nachdem er sich bereits den ausländischen Weibern ergeben und sich an die Götzen der Moabiter und Sidonier gehängt hatte. Was hätte der Schöpfergott thun sollen, um sich dem Tadel der Marcioniten nicht auszusetzen? Sollte er die, welche noch gut handeln, wegen ihrer künftigen Vergebungen bereits verdammen? Aber als guter Gott konnte er die, welche es noch nicht verdienten, nicht zum voraus verdammen. Oder, sollte er vielleicht die, welche jetzt sündigen, nicht verwerfen aus Rücksicht auf ihre früheren guten Handlungen? Aber ein guter Richter konnte nicht, nachdem die früheren Handlungen schon annulliert, Verbrechen nachsehen. Oder welcher Mensch ist ohne Sünde, so dass ihn Gott stets auserwählen musste und ihn niemals hätte verwerfen können? Oder wer ist andererseits so ohne jedes gute Werk, dass ihn Gott immer verwerfen musste und ihn niemals auserwählen konnte? Man zeige mir jemand, der immer gut war, und er wird nicht verworfen werden. Man zeige mir jemand, der immer schlecht war, und er wird niemals angenommen werden. Wofern es sich aber um einen und denselben Menschen handelt, so wird derselbe, wenn er beides war, nach beiden Beziehungen, von dem gütigen und dem richtenden Gott seine Vergeltung erhalten. Derselbe wechselt nicht aus Leichtsinn oder Mangel an Voraussicht seine Ansichten, sondern teilt nach einer sehr ernsten und umsichtigen Beurteilung aus, was man zu jeder Zeit verdient.

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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