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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

26. Cap. Über das Schwören Gottes und die nach der Anbetung des Kalbes dem Volke angedrohte Vernichtung.

Aber Gott schwört ja auch? — Schwört er vielleicht beim Gotte Marcions? Nein, noch viel thörichter, heisst es! Er schwört bei sich selbst. Was hätte er denn thun sollen, wenn in seinem Bewusstsein kein anderer Gott existierte, zumal, wenn er gerade diese Thatsache beschwor, dass es einen andern Gott nicht gebe. Welches ist also der Fehler, auf welchem Du ihn hier ertappest? Hat er einen Meineid geschworen oder war sein Schwur ein thörichter? Einen Meineid kann er nicht geschworen haben, da er, wie Ihr behauptet, vom Dasein eines andern Gottes nichts wusste. Wenn er das beteuert, was er weiss, so hat er wahrhaftig keinen Meineid geschworen. Zweitens seine Beteuerung, es gebe keinen andern Gott, war auch keine thörichte. Dieselbe wäre nämlich nur dann eine thörichte gewesen, wenn es gar keine Leute gegeben hätte, die an das Vorhandensein anderer Götter glaubten, wie die Götzendiener damals und die Häretiker jetzt. Er schwört also bei sich selbst, damit man wenigstens auf den Schwur eines Gottes hin glaube, dass es keine andere Götter gebe. Dass Gott so verfuhr, dazu hast auch Du, Marcion, ihn gezwungen. Denn es wurde damals bereits an Dich gedacht. Wenn er ferner bei Verheissungen oder Drohungen schwört und damit gleich von vornherein einen hohen Glauben fordert, so kann Gottes nicht unwürdig sein, was die Ursache davon ist, dass man ihm glaubte.

Sehr kleinlich verfuhr Gott sogar bei seinem grössten Zorne, damals, als er, wegen der Verehrung des Kalbes gegen das Volk aufgebracht, von seinem Diener Moses verlangte: „Lass mich, aufgebracht in meinem Zorne, werde ich das Volk verderben und Dich zu einem grossen Volke machen“.1 — Auf Grund dieses Ausspruchs pflegt Ihr zu behaupten, Moses sei besser als sein Gott, da er dessen Zorn durch Bitten abwende, ja eigentlich verhindere. „Thue das nicht,“ sagte er nämlich, „oder vertilge mich mit ihnen.“ Ihr seid selber mit dem Volke zu bedauern, dass Ihr Christum nicht erkennt, der in der Person des Moses vorgebildet ist, wie er dem Vater abbittet und sein eignes Leben für das Heil des Volkes darbringt. Aber es reicht hin, dass dem Moses das S. 207 Volk, wenn auch nur für den Augenblick, im eigentlichen Sinne geschenkt wurde. Dass dies der Knecht vom Herrn erbitten solle, das hatte der Herr selbst von ihm erbeten. Denn er sagte zu seinem Knechte: „Lass mich und ich will sie verderben“, in der Absicht, dass jener diese Forderung stelle, sich selbst darbiete und es eben dadurch nicht zulasse, damit Du so lernen möchtest, wie grosse Freiheiten der Gläubige und Prophet bei Gott geniesse.


  1. II. Mos. 32, 10. ↩

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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