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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

28. Cap. Die Antithesen, die Marcion gegen Jehova aufgestellt hat, werden umgekehrt und gegen den Gott Marcions angewendet.

Nun will auch ich meinerseits zu der sogenannten Kleinlichkeit, der Bosheit und den sonstigen tadelnden Bemerkungen Gegen-Antithesen1 gegen Marcion aufstellen.

Wenn meinem Gott unbekannt war, dass es noch einen andern über ihm gebe, so wusste auch der Deinige ganz und gar nicht, dass es noch einen unter ihm gebe. Denn wie der schwer verständliche Heraklit sagt, führt derselbe Weg hinauf wie hinunter. Wenn er es gewusst hätte, so wäre er ihm schon von Anbeginn an entgegen getreten.

Sünde und Tod sowie den Urheber der Sünde, den Teufel selbst, und alles Böse, was mein Gott entstehen liess, verschuldete ebenso gut der Deinige, der es zuliess, dass jener sie entstehen liess.

Hat unser Gott seine Meinungen geändert, dann ebenso auch der Eurige. Denn wenn er dem Menschengeschlecht erst so spät seine Aufmerksamkeit schenkte, so hat er jene seine Meinung geändert, infolge deren er es einen so langen Zeitraum hindurch nicht beachtete.

Unser Gott äusserte wohl einmal Reue über das Böse, aber auch der Eurige. Denn dadurch, dass er endlich seine Aufmerksamkeit auf das Heil der Menschen richtete, that er für seine frühere Unachtsamkeit Busse, wie es sich für eine falsche Handlungsweise ziemt. Für eine falsche Handlungsweise wird man aber die Vernachlässigung des Heiles der Menschen halten müssen, und sie wurde bei Eurem Gott nur durch die Busse wieder gut gemacht.

Unser Gott befahl einen Diebstahl, aber nur an Gold und Silber. Um wieviel nun der Mensch besser ist als Gold und Silber, ein um so grösserer Betrüger ist Euer Gott, der den Menschen seinem Herrn und Schöpfer entfremdete.

Unser Gott fordert Auge um Auge, aber Euer Gott macht, indem er die Vergeltung verbietet, das Unrecht leicht wiederholbar. Denn wer wollte nicht, wenn er nicht wieder geschlagen wird, gleich noch einmal schlagen?

Unser Gott weiss nicht, was für Leute er in seine Gesellschaft aufgenommen bat; der Eurige weiss es also auch nicht. Er würde den Verräter Judas nicht aufgenommen haben, wenn er Vorherwissen gehabt hätte.

Wenn Du behauptest, der Schöpfergott habe dann und wann einmal gelogen, so ertappen wir Deinen Christus bei einer weit grösseren Lüge; denn sein Leib war nur ein Scheinleib.

S. 210 Die grausame Härte meines Gottes war schuld am Untergang vieler Menschen. Dein Gott hat diejenigen dem Verderben geweiht, die er nicht errettete.

Mein Gott hat manche Leute zu töten befohlen. Der Deinige wollte sich selbst töten und ist dadurch ebensosehr ein Mörder an seiner eigenen Person geworden, als an dem, von welchem er getötet sein wollte. Ich werde aber dem Marcion beweisen, dass sein Gott viele Menschen umgebracht hat. Er war nämlich Ursache, dass das Volk Israel zum Mörder wurde und natürlich deshalb zu Grunde ging. Oder hat das Volk etwa nicht gegen Christus gesündigt?

Doch genug; die Macht der Wahrheit liebt rasches Verfahren mit wenig Worten, Lug und Trug dagegen werden vielen Geredes bedürfen.


  1. Das dogmatische Werk des Marcion war bekanntlich Anthitheses betitelt. ↩

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Translations of this Work
Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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