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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Drittes Buch

3. Cap. Ob in einem solchen Falle noch die Wunder als Beweise für Christus würden gelten können? Dieselben würden für sich allein ohne vorausgegangene Prophezeiungen auch seine Beweiskraft haben.

Ein derartiger Hergang, wendet man ein, war nicht unumgänglich notwendig, weil Christus sich sofort durch Thaten als Sohn, Gesandter und Christus Gottes erweisen sollte mit der Beweiskraft der Wunder.

Ich stelle dagegen in Abrede, dass Beweise dieser Kategorie allein ein vollwichtiges Zeugnis für ihn waren; denn später hat er selbst ihr Ansehen geschwächt, indem er sagt, viele würden kommen, Zeichen wirken und grosse Wunder sehen lassen zur Verlockung sogar für die Auserwählten1 S. 216 und man dürfe sie darum nicht annehmen. Damit hat er zu erkennen gegeben, dass der Glaube an Zeichen und Wunder ein übereilter sei, da diese auch bei dem falschen Christus sehr leicht vorkommen. Oder was soll es heissen, dass er für sich Beweise und Ursachen der Anerkennung und Aufnahme aus Dingen ableiten wollte, woraus sie die andern nicht ableiten sollten, d. h. aus Wundern, obwohl auch sie ebenso plötzlich kommen würden und von keinem Gewährsmann vorher angekündigt sind. Wenn er deshalb, weil er eher kam als sie und sich früher der Wunderbeweise bedient, den Glauben, so zu sagen, wie einen Platz im Bade belegte und ihn allen Nachkommenden vorwegnahm, dann kommt er doch, gib nur Acht, in dieselbe Lage mit den späteren. Denn der Schöpfergott war vor ihm da und bereits bekannt. Er hatte mithin auch schon früher Wunder gewirkt und sich vorher in derselben Weise geäussert, man dürfe andern nicht glauben, solchen nämlich, die nach ihm kommen würden. Wenn also frühere Ankunft und frühere Aufstellung derartiger Äusserungen über die Nachkommenden den Glauben ausschliesst, dann ist auch Dein Christus längst im voraus von dem verdammt, mit dem verglichen er sich als der Spätere zu erkennen gab2, und es darf einzig und allein der Schöpfer, dem keiner zuvorkommen kann, diesen Grundsatz gegen die späteren geltend machen.

Da ich nun im Begriff stehe, den Beweis zu liefern, dass Gott Wunder derselben Art, wie Du sie als Beglaubigungen ausschliesslich für Deinen Christus in Anspruch nimmst, in der Vorzeit manchmal durch seine Diener, manchmal auch durch seinen Christus habe wirken lassen, so kann ich auch auf Grund dessen mit Recht die Einrede erheben: um so weniger darf sich der Glaube an Christus allein auf Wunderkräfte gründen, weil sie ihn als den Christus keines andern als des Schöpfergottes hätten hinstellen können, indem sie dessen Fälligkeiten entsprechen, durch seine Diener gewirkt und bei seinem Christus verheissen worden sind.

Indessen, auch wenn sich bei Deinem Christus andere Beweismittel, d. h. noch nicht dagewesene fänden, so würden wir doch eher glauben, dass die neuen von demselben Urheber wie die alten herrühren, als von einem, dem lauter neue Beweismittel angehören, welche selber erst noch Glaubensbeweise bedürfen, durch welche sie die alten zu überwinden imstande sind. Auch bei dieser Voraussetzung durfte er also nur kommen, nachdem er vorausverkündigt war, sowohl durch eigene Ankündigungen, die ihm Glauben bereiteten, als auch durch Wunder, zumal da er gegen den Christus des Schöpfergottes auftreten wollte, der mit eigenen Wunderzeichen und Propheten ausgestattet war, um durch Verschiedenheiten aller Art offen als Gegner Christi dazustehen. Allein, wie hätte er können S. 217 durch einen Gott, der niemals gepredigt worden war, als sein Christus angekündigt werden? Dieser Umstand ist es also, der zu der Forderung berechtigt, man dürfe weder an Deinen Gott noch an Deinen Christus glauben; denn einerseits durfte Gott nicht unbekannt sein, andererseits musste Christus durch Gott zur Anerkennung gebracht werden.


  1. Matth. 24, 24. ↩

  2. Quo posterior wird die richtige Lesart sein, nicht quod. ↩

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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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