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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Drittes Buch

15. Cap. Der Christus, den Marcion lehrt, hätte in keiner Hinsicht den Namen Christus führen dürfen.

Soweit nun die Untersuchung über die Leiblichkeit Christi, und damit über seine Geburt und seinen bis jetzt einzigen Namen Emmanuel. Was für eine Antwort wird aber die Gegenpartei in betreff seiner übrigen Namen und insbesondere des Namens Christus geben? Wenn bei Euch die Bezeichnung Christus eine ebenso allgemeine ist wie die Bezeichnung Gott, und es ebenso angemessen ist, den Sohn eines jeden der beiden Götter Christus zu nennen, wie man beide Väter Herren nennt, dann wird die Vernunft dieser Argumentation widersprechen. Die Bezeichnung Gott nämlich kann als die der Gottheit natürliche auf alle Wesen ausgedehnt werden, für welche Göttlichkeit in Anspruch genommen wird; so auch für die Götzen nach dem Ausdruck des Apostels: „Es gibt auch sogenannte Götter im Himmel oder auf Erden.“1

Die Bezeichnung Christus aber verdankt nicht der Natur ihre Herkunft, sondern der Heilsordnung und wird Eigentum dessen werden, der einen Heilsplan angeordnet hat. Auch ist sie nicht an irgend einen andern Gott mitteilbar, namentlich nicht an einen Nebenbuhler, der seine eigene Heilsordnung hat und ihr also auch besondere Namen geben muss. Was sollte es heissen, verschiedene Heilsordnungen zweier Götter auszusinnen, aber doch eine Gemeinsamkeit der Namen zuzulassen, wenn deren Heilsordnungen sich bekämpfen sollen? Es gäbe keinen bessern Beweis für S. 236 das Dasein zweier einander feindlichen Götter, als wenn sich in ihren Heilsordnungen auch verschiedene Namen fänden. Denn verschiedenartige Zustände werden immer durch besondere Benennungen abgeschlossen. Nur wenn diese fehlen, dann hilft man sich mit der Katachresis der Griechen durch Gebrauch einer andern. Bei Gott aber darf es, sollte ich meinen, an nichts fehlen und seine Ordnungen dürfen sich nicht mit fremden Federn schmücken.

Was würde das für ein Gott sein, der für seinen Sohn die Titel vom Demiurgen entnimmt? nicht einmal bloss fremde Titel, sondern noch dazu alte und schon verbreitete, die für den neuen und unbekannten Gott auch nicht einmal passen würden! Wie dürfte er noch die Lehre geben, man soll keine neuen Flicken auf ein altes Kleid setzen und den neuen Wein nicht alten Schläuchen anvertrauen, wenn er selber mit einem alten Namen versehen und ausgeflickt einhergeht? Wie kann er das Evangelium vom Gesetz loslösen, wenn er sich ganz in das Gesetz steckt? nämlich durch Annahme des Titels Christus. Wer hat ihm denn verboten, einen andern Namen anzunehmen, da er ja andere Lehren hat, anderswoher kommt und, um nicht für den Christus des Demiurgen gehalten zu werden, nicht einmal einen wahrhaftigen Leib angenommen hat? Es war aber ein Unsinn, das nicht scheinen zu wollen, was er doch heissen wollte; denn selbst dann, wenn er einen wirklichen Körper gehabt hätte, wäre er doch lange nicht so leicht für den Christus des Schöpfergottes gehalten worden, wenn er sich hätte anders nennen lassen. So aber hat er den Namen angenommen und das Wesen zurückgewiesen, während er doch viel eher den Besitz des Wesens durch Besitz des Namens bewiesen haben würde.

Wenn Christus nämlich der Gesalbte ist, so ist Salben ja etwas, das den Körper angeht. Wer keinen Körper hatte, konnte auch nicht gesalbt werden; wer nicht gesalbt werden konnte, der konnte auch durchaus nicht den Namen Christus führen. Etwas anderes wäre es, wenn er auch den Namen nur zum Schein begehrt hätte. Ohne jenen bei den Juden so beliebten und bekannten Namen, heisst es da, hätte er sich bei ihnen unmöglich Glauben erwerben können. — Entweder denkst Du Dir Gott als unbeständig oder als verschlagen; nur Mangel an Selbstvertrauen oder Bosheit verfallen auf das Mittel, durch Täuschung etwas zu erreichen. Da haben die Pseudopropheten viel freier und aufrichtiger gehandelt, die gegen den Demiurgen im Namen ihres eigenen Gottes auftraten. Ich sehe aber auch nicht einmal einen Erfolg dieses seines Verfahrens, da man ihn eher entweder für den richtigen Christus gehalten haben würde oder noch besser für irgend einen Betrüger, als für den Christus eines andern Gottes, wie das Evangelium beweist.


  1. I. Kor. 8, 5. ↩

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Translations of this Work
Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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