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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Viertes Buch. (Extract)

3. Cap. Wenn Paulus die andern Apostel nach Gal. 1, 14 tadelte, so geschah es nicht darum, weil sie sich einer Verderbnis des Evangeliums schuldig gemacht hatten, sondern wegen ganz anderer Ursachen. Das angebliche echte Evangelium des Marcion verliert damit seine historische Basis und steht als Fälschung da.

Etwas ganz anderes ist es, wenn Marcion das Heilsgeheimnis der christlichen Religion erst mit der Schülerschaft des Lukas beginnen lässt. Bestand es jedoch schon früher, so hatte es jedenfalls seine authentische Ausrüstung,1 mittels deren es bis auf Lukas kam und auf deren Zeugnis hin auch Lukas zugelassen werden kann. Dem Marcion aber geriet der Brief des Paulus an die Galater in die Hände, worin derselbe sogar die Apostel darüber zurechtsetzt, dass sie nicht festen Schrittes wandelten nach der Wahrheit des Evangeliums, und zugleich gewisse Pseudo-Apostel anklagt, die das Evangelium Christi verfälschten. Hierauf stützt er sich, um die Stellung der Evangelien zu erschüttern, die recht eigentlich solche sind und unter dem Namen der Apostel oder auch apostolischer Männer ausgegeben wurden, und so die Glaubwürdigkeit, die er ihnen genommen, seinem Evangelium zuzuwenden.

Wenn Petrus, Johannes und Jakobus, die als die Säulen galten, auch wirklich getadelt worden sind, so liegt die Ursache davon am Tage. Sie schienen nämlich aus Rücksicht auf gewisse Personen ihre Lebensweise zu wechseln. Trotzdem aber konnte auch Petrus, wie Paulus selbst allen alles wurde, um alle zu gewinnen, absichtlich etwas anders gemacht haben, als er lehrte. Wenn sich falsche Apostel eingeschlichen hatten, so findet sich ebenfalls deren Beschaffenheit angegeben; es waren Leute, welche die Beschneidung und den jüdischen Kalender beibehalten wollten. Folglich wurden sie von Paulus nicht wegen ihrer Lehre, sondern wegen ihres Verhaltens getadelt, und er würde sie ebenso getadelt haben, wenn sie in betreff Gottes, des Schöpfers, oder seines Christus geirrt hätten. Man wird also das einzelne auseinander halten müssen. Wenn Marcion darüber Klage führt, dass die Apostel krummer Wege und der Verstellung verdächtig gewesen seien bis zur Verfälschung des Evangeliums, dann klagt er damit eigentlich Christus an, denn er klagt die an, die Christus erwählt hat.

Wofern aber die Apostel das richtige Evangelium zwar bewahrten und vererbten, und bloss wegen der Ungleichmässigkeit ihrer Lebensweise getadelt wurden, hingegen die Pseudo-Apostel es waren, welche die richtige Lehre der Apostel verfälschten, und wenn unsere Berichte von ihnen S. 261 herrühren, wo ist dann die echte apostolische Urkunde geblieben, die Gegenstand der Fälschung wurde, die Paulus zur Erleuchtung diente und dann Lukas? Oder wenn sie so gründlich untergegangen ist wie in der Sündflut und durch eine Überschwemmung mit Fälschern ganz unkenntlich gemacht ist, dann hat ja auch Marcion die echte nicht mehr. Oder wenn eben das das echte Evangelium, d. h. das apostolische Evangelium ist, welches Marcion allein hat, wie kann es denn mit dem unsern, das nicht apostolisch ist, sondern dem Lukas zugeschrieben wird, übereinstimmen?2 Oder wenn das, dessen sich Marcion bedient, nicht ohne weiteres dem Lukas zuzuschreiben ist, weil es mit dem unsrigen übereinstimmt, das wohlgemerkt, auch schon in seinem Titel gefälscht ist, so ist das übrige von den Aposteln. Dann ist sofort also auch das unsrige, was mit jenem übereinstimmt, ebenso gut von den Aposteln; aber es ist verfälscht auch hinsichtlich des Titels.


  1. Mit den notwendigen Schriftstücken zu seinem Ausweise. ↩

  2. Öhler interpungiert diesen Satz unrichtig. ↩

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Translations of this Work
Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaries for this Work
Appendix to the Five Books Against Marcion

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