21.
Auf das Holz floß Wasser aus der Seite Jesu1. Blut und Wasser sind der Anfang der Moses-Wunder2, sie sind anderseits das Ende aller Wunder Jesu. Moses fing damit an, den Fluß in Blut zu verwandeln; Jesus schloß damit, daß er Wasser und Blut aus seiner Seite fließen ließ. Letzteres geschah vielleicht mit Bezug auf die Stimme des Richters und das Rufen des schreienden Volkes oder wegen der Gläubigen und der Ungläubigen. Pilatus nämlich erklärte: „Ich bin unschuldig“ und wusch sich seine Hände mit Wasser 3; das Volk aber schrie: „Sein Blut komme über uns!“4 Beides floß aus der Seite: das Wasser wohl für den Richter, das Blut für das schreiende Volk. Jene Tatsache kann auch noch anders verstanden werden: S. 220 für die Juden war das Blut, für die Christen das Wasser. Über jene, seine Feinde, kam aus dem Blute der Fluch, während du als Gläubiger jetzt durch das Wasser das Heil erlangst. Nichts ist ohne Bedeutung.
Unsere Väter haben in ihrer Schrifterklärung noch einen anderen Grund für jene Tatsache angegeben. Da die heilsame Taufe nach den Evangelien in doppelter Weise wirkt, einerseits in den Täuflingen durch das Wasser, andererseits zur Zeit der Verfolgung in den heiligen Märtyrern durch deren eigenes Blut, kam aus der Seite des Erlösers Blut und Wasser, um sowohl das bei der Taufe wie in der Zeit des Martyriums für Christus abgelegte Bekenntnis als genehm zu bestätigen.
Es gibt noch eine andere Erklärung für die Seitenwunde. Die erste Ursache der Sünde war das aus der Seite gebildete Weib. Als aber Jesus gekommen war, um sowohl Männern wie Frauen Verzeihung zu schenken, ließ er sich der Frauen wegen die Seite durchbohren, um die Sünde hinwegzunehmen.