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Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
12. Cap. Marcion wendet dagegen ein, Christus habe weder den Namen geführt, den er nach der Weissagung haben sollte, noch stimme die Art seines Auftretens zu der bei Isaias gegebenen Schilderung. Ob Christus den Namen Emmanuel verdiene?
Berufe Dich nun, wie es Deine Gewohnheit ist, auf die betreffende Parallelisierung Christi bei Isaias mit dem Vorgeben, es treffe in ihr nichts zu. Erstens meinst Du, der Christus des Isaias solle Emmanuel heissen, sodann er werde die Macht von Damaskus und die Beute von Samaria nehmen gegen den König von Assyrien. Nun ist aber der, welcher erschien, weder unter diesem Namen aufgetreten, noch hat er kriegerische Thaten verrichtet.
Hiergegen werde ich Dich daran erinnern, dass man den Zusammenhang jener beiden Capitel1 nicht vergessen darf. Auch die Übersetzung S. 231 von Emmanuel: „Gott mit uns“, wurde gegeben,2 damit man auch den Sinn des Wortes beachte, nicht bloss seinen Klang. Das Wort Emmanuel nämlich ist hebräisch und auf das betreffende Volk beschränkt, seine Bedeutung aber „Gott mit uns“ ist der Deutung entsprechend etwas allgemeines. Prüfe also, ob dieser Ausdruck „Gott mit uns“ oder Emmanuel von der Zeit an, wo Christus erschien, an und bei Christus in Übung kommt. Ich glaube, Du wirst es nicht leugnen, da Du ja selbst auch sagst, er wird „Gott mit uns“ genannt, d. h. aber Emmanuel. Oder solltest Du, weil bei Euch: „Mit uns Gott“ gesagt wird und nicht Emmanuel, so thöricht sein, nicht zugeben zu wollen, dass der, dem der Name Emmanuel eigentlich zukommt, erschienen sei, als ob nicht der „Gott mit uns“ eben dieser sei, so wirst Du finden, dass man bei den Hebräern, bei den Christen, ja sogar bei den Marcioniten den Namen Emmanuel braucht, wenn man sagen will: „Mit uns ist Gott“; wie jedes Volk, mag der Begriff „Gott mit uns“ bei ihm sonst lauten, wie immer er will, doch das Wort Emmanuel ausspricht und durch das Wort den Gedanken wiedergibt. Wenn also Emmanuel heisst „Gott mit uns“, wenn der „Gott mit uns“ aber eben Christus ist, der ja auch in uns ist — „denn ihr alle, die ihr auf Christum getauft seid, habt Christum angezogen“3 dann ist er so recht eigentlich Christus sowohl der Bedeutung seines Namens nach, der da bedeutet „Gott mit uns“, als dem Klange des Namens nach, der da lautet: Emmanuel. Somit steht es fest, dass der, welcher als der Emmanuel angekündigt wurde, bereits gekommen sei, weil das gekommen ist, was Emmanuel bedeutet, d. h. der „Gott mit uns“.
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Fünf Bücher gegen Marcion
12.
[1] Rufe nun, wie du es gewohnt bist, zu jenem Vergleich mit dem Christus Jesajas auf und behaupte, er treffe in nichts zu. »Denn zuerst«, sagst du, »soll der Christus Jesajas Immanuel heißen, sodann die Macht von Damaskus und die Beute Samarias gegen den König der Assyrer nehmen. Dieser aber, der gekommen ist, wurde weder unter einem solchen Namen bekannt gemacht, noch hat er irgendetwas Kriegerisches verrichtet.« [2] Ich aber will dich ermahnen, auch den Zusammenhang beider Stellen zu beachten. Denn es ist auch die Deutung von »Immanuel« beigefügt: »Gott mit uns« — damit du nicht bloß auf den Klang des Namens, sondern auch auf seinen Sinn siehst. Denn der hebräische Klang, nämlich »Immanuel«, gehört seinem Volk; sein Sinn aber, nämlich »Gott mit uns«, ist durch die Übersetzung allen gemeinsam. Frage also, ob dieses Wort »Gott mit uns«, das eben »Immanuel« ist, seit Christus aufgeleuchtet ist, an Christus im Umlauf sei. [3] Und ich meine, du wirst es nicht leugnen, da du ja selbst sagst: »Er heißt Gott mit uns«, das heißt Immanuel. Oder wenn du so nichtig bist, dass du, weil es bei dir »Gott mit uns« heißt und nicht »Immanuel«, deshalb nicht wolltest, dass der gekommen sei, dem es eigentümlich ist, Immanuel zu heißen — als wäre dies nicht ebendasselbe wie »Gott mit uns« —, so wirst du bei den hebräischen Christen, ja sogar bei den Marcioniten, finden, dass sie »Immanuel« nennen, wenn sie »Gott mit uns« sagen wollen; wie auch jedes Volk, in welchem Klang es auch »Gott mit uns« sagt, damit Immanuel ausgesprochen hat, indem es den Klang im Sinn aufgehen lässt. [4] Wenn aber Immanuel »Gott mit uns« ist, »Gott mit uns« aber Christus ist, der auch in uns ist (denn wie viele ihr auf Christus getauft seid, ihr habt Christus angezogen), so ist Christus in der Bedeutung des Namens, nämlich »Gott mit uns«, ebenso eigentümlich bezeichnet wie im Klang des Namens, nämlich »Immanuel«. Und so steht fest, dass der bereits gekommen ist, der als Immanuel verkündigt wurde, weil das gekommen ist, was Immanuel bedeutet, nämlich »Gott mit uns«.