• Accueil
  • Œuvres
  • Introduction Instructions Collaboration Sponsors / Collaborateurs Copyrights Contact Mentions légales
Bibliothek der Kirchenväter
Recherche
DE EN FR
Œuvres Tertullien (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

5. Cap. Die Marcioniten wenden ein, das faktische Vorhandensein des Bösen in der Welt vertrage sich nicht mit der Güte, dem Vorherwissen und der Allmacht Gottes.

Gehen wir von da nun über zu den sämtlichen Fragen! Ihr seid die Hunde, die der Apostel hinaustreibt,1 die gegen den Gott der Wahrheit belfern, und folgendes ist das Mark der Beweisführungen, woran ihr herumkaut: „Wenn Gott gut ist, die Zukunft vorherweiss und imstande ist, das Üble abzuwenden, warum duldete er, dass der Mensch, der ja sein Bild und Gleichnis, ja noch mehr, der infolge des Ursprungs seiner Seele von Gottes Substanz ist, aus dem Gehorsam gegen das Gesetz heraus, vom Teufel betrogen dem Tode verfiel? War er nämlich gut und folglich ein derartiges Ereignis gegen seinen Willen, war er der Zukunft kundig und blieb folglich dessen Eintreffen ihm nicht verborgen, war er mächtig und folglich imstande, es zu verhüten — dann wäre es in keinem Falle eingetreten, weil es bei diesen drei Eigenschaften der göttlichen Majestät unmöglich hätte geschehen können. Wenn es nun aber doch geschah, so ist im Gegenteil ausgemacht, dass Gott weder für gut, noch für kundig des Zukünftigen, noch für mächtig zu halten ist. Denn so gewiss, als nichts derart geschehen wäre, wenn Gott so wäre, nämlich gut, allwissend und mächtig, so sicher ist es nur aus dem Grunde wirklich geschehen, weil Gott nicht so ist.“

Dem gegenüber gilt es, zuerst eben diese Eigenschaften Gottes zu verteidigen, die bezweifelt werden, nämlich seine Güte, sein Vorherwissen und seine Macht, und ich will bei diesem Punkte nicht lange warten lassen, da Christus selbst mit der Erklärung vorangegangen ist, dass aus den Werken die Beweise geführt werden müssen.2

Die Werke des Schöpfers legen für beides Zeugnis ab, sowohl für seine Güte, da sie, wie gezeigt, gut sind, als auch für seine Macht, da sie sehr gross und zahlreich und noch dazu aus nichts geschaffen sind. S. 178 Auch wenn sie, wie manche wollen, aus einer vorhandenen Materie erschaffen wären, so würden sie insofern doch aus nichts erschaffen sein, als sie vorher nicht waren, was sie jetzt sind. Schliesslich sind sie schon darum gross, wenn sie gut sind, und Gott schon dann mächtig, wenn alles ihm angehört; darum ist er auch allmächtig. Was soll ich aber über sein Vorherwissen sagen, da es dafür so viele Zeugen gibt als Propheten ?! Doch was soll das Prädikat „vorherwissend“ bei dem Urheber aller Dinge? Indem er alles anordnete, wusste er es natürlich auch vorher, und wiederum kraft seines Vorherwissens ordnete er alles an. Sogar die Übertretung selbst hat er vorhergewusst; sonst hätte er sicherlich keine Massregel dagegen durch Androhung des Todes getroffen.

Wenn sich also bei Gott Eigenschaften finden, infolge deren nichts Übles den Menschen hätte treffen können und dürfen, wenn es ihn dennoch aber getroffen hat, so wollen wir uns die Beschaffenheit des Menschen ansehen, ob nicht etwa sie schuld war, dass ihn das traf, was ihn, soviel an Gott liegt, nicht hätte treffen können. Da finde ich nun, dass der Mensch frei, mit eigenem Willen und mit Macht über sich selbst von Gott geschaffen ist und bemerke kein anderes Bild und Gleichnis Gottes an ihm als dasjenige, was dieser Zustand mit sich bringt. Denn er ist nicht in Hinsicht seiner Gesichtszüge und körperlichen Umrisse, die bei dem Menschengeschlechte so verschieden sind, nach dem eingestaltigen Gotte gebildet worden, sondern in Hinsicht der Substanz, die er von Gott empfing, nämlich der Seele, die der Form Gottes entspricht, und dann mit der Freiheit und Fähigkeit seines Willens besiegelt. Dass dies sein Zustand sei, wird auch durch das Gesetz selbst bestätigt, welches ihm damals von Gott gegeben wurde. Denn es würde ihm kein Gesetz gegeben worden sein, wenn es nicht in seinen Kräften gestanden hätte, den dem Gesetze schuldigen Gehorsam zu leisten, und auf der andern Seite wäre der Übertretung nicht die Todesdrohung beigefügt worden, wenn nicht die Verachtung des Gesetzes ebenfalls der Willensfreiheit des Menschen zugerechnet würde. So wirst Du es auch bei den spätern Gesetzen des Schöpfers finden, wenn er immer dem Menschen Gutes und Böses, Leben und Tod vorlegt; auch den ganzen Verlauf der Erziehung durch die Gebote wirst du nicht anders angelegt finden. Gott befiehlt, droht und ermahnt dabei, nur weil der Mensch den freien Willen hat, zu gehorchen oder das Gebot zu verachten.


  1. Offenb. Joh. 22, 15. ↩

  2. Joh. 10, 25. ↩

pattern
  Imprimer   Rapporter une erreur
  • Afficher le texte
  • Référence bibliographique
  • Scans de cette version
Download
  • docxDOCX (164.63 kB)
  • epubEPUB (168.70 kB)
  • pdfPDF (551.88 kB)
  • rtfRTF (437.04 kB)
Traductions de cette œuvre
Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaires sur cette œuvre
Appendix to the Five Books Against Marcion

Table des matières

Faculté de théologie, Patristique et histoire de l'Église ancienne
Miséricorde, Av. Europe 20, CH 1700 Fribourg

© 2026 Gregor Emmenegger
Mentions légales
Politique de confidentialité