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Bibliothek der Kirchenväter
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Œuvres Tertullien (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

15. Cap. Warum Gott im alten Testament drohte, die Sünden der Väter an den Nachkommen zu strafen?

Wirf also Deinen Blick zuerst auf die richterliche Gerechtigkeit! Wenn sie vor der Vernunft standhält, dann wird auch die Strenge und was mit der Strenge zusammenhängt als der Vernunft und Gerechtigkeit entsprechend angesehen werden dürfen. Und damit wir uns nicht bei zu vielerlei Dingen aufhalten, gebt uns zuerst auch Eure weitere Ursachen an, warum Ihr die Richtersprüche verwerfet, die Sünden entschuldiget und die Urteile missbilliget. Tadelt nicht den Richter, sondern überführt ihn, dass er schlecht sei.

S. 192 Auch wenn er die Sünden der Väter von den Söhnen beitrieb, so war es nur die Verhärtung des Volkes, welche zu solchen Gegenmitteln nötigte, damit sie wenigstens aus Besorgnis um ihre Nachkommenschaft dem göttlichen Gesetze Gehorsam leisten sollten. Denn wer würde nicht für das Wohl seines Sohnes mehr besorgt sein, als für sein eigenes? Galt aber der Segen der Väter auch für ihre Nachkommenschaft ohne irgend ein Verdienst der letzteren, warum sollte da nicht auch die Schuld der Väter sich auf die Söhne ausdehnen? Wie mit der Gnade, so verhält es sich mit der Beleidigung, und wie die Gnade, so durchläuft auch das Missfallen das ganze Geschlecht, unbeschadet dessen, was etwa für spätere Zeiten beschlossen werden würde, wo es nicht mehr heissen sollte: „Die Väter haben saure Trauben gegessen und den Kindern sind die Zähne stumpf geworden“,1 d. h. wo der Vater nicht das Vergehen des Sohnes und der Sohn nicht mehr das des Vaters auf sich nehmen, sondern jeder für sein eigenes verantwortlich sein, die Verhärtung des Volkes durch die Härte des Gesetzes gebändigt sein und die Gerechtigkeit nicht mehr gegen das Geschlecht, sondern gegen die Individuen urteilen würde. Wenn Du aber das Evangelium der Wahrheit annimmst, dann wirst Du einsehen, auf wen sich der Richterspruch, der die Söhne für die Sünden der Väter entgelten lässt, bezieht, nämlich auf diejenigen, welche freiwillig das Urteil auf sich herabrufen würden: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder“! So war es also immer die Voraussicht Gottes, welche das Urteil nach dem sprach, was ihren Ohren bereits vernehmlich war.


  1. Jerem. 31, 29. ↩

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Traductions de cette œuvre
Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Commentaires sur cette œuvre
Appendix to the Five Books Against Marcion

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