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Bibliothek der Kirchenväter
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Œuvres Tertullien (160-220) Adversus Marcionem Die fünf Bücher gegen Marcion. (BKV)
Zweites Buch

29. Cap. Antithesen, deren Urheber Gott ist, finden sich genug in der Schöpfung, warum nicht auch sonst?

Ich hätte übrigens auch die Antithesen Marcions eingehender angegriffen, wenn eine einlässlichere Widerlegung derselben nötig wäre, um die Wahrheit zu behaupten, der Schöpfergott sei beides, gütig und gerecht, entsprechend den für beides angeführten Belegen, die alle Gottes würdig sind. Wenn beide Eigenschaften, Güte und Gerechtigkeit, zur würdigen Vervollständigung der Gottheit dienen, die alles können muss, so kann ich mich einstweilen damit begnügen, die Antithesen kompendiarisch zurückgewiesen zu haben, obwohl sie sich schmeicheln, auf Grund der Beschaffenheit der Ideen, Gesetze und Kräfte Gottes einen Unterschied aufgestellt und so Christus vom Schöpfergott gesondert zu haben, den gütigen vom gerechten, den milden vom grausamen, den Heilbringenden vom Verderber. Dieselben dienen vielmehr dazu, die beiden Wesen, deren Dasein sie auf derartige Verschiedenheiten gründen, wie sie sämtlich auf Gott passen, zu einer Einheit zusammenzuschmelzen. Man nehme nur den von Marcion gewählten Titel, so wie die Tendenz und Absicht der Schrift selbst hinweg, und sie wird zu nichts weiter dienen, als zum Beweise dessen, dass der gütige und der richtende Gott einer und derselbe sei, weil beides auf einen Gott passt. Auch sein Streben, in diesen Analogieen Christus in einen Gegensatz zum Schöpfer zu bringen, führt eher wieder zur Einheit. So sehr war nämlich infolge eben derselben Analogieen und ähnlicher Beispiele die Wesenheit für beide Gottheiten, für die gütige sowohl als für die strenge, eine einzige, dass sie ihre Güte auch da kundthun wollte, wo sie vorher ihre Strenge bethätigt hatte. Denn eine zeitliche Verschiedenheit, wenn Gott nachher bei gemilderter Sachlage milder auftrat, nachdem er früher bei ernsterer Sachlage strenger gewesen war, hat ja gar nichts auffallendes. So kann also mit Hilfe der Antithesen leichter dargethan werden, dass die Anordnungen des Schöpfers durch Christus nachher, nicht sowohl verworfen als reformiert, nicht sowohl beseitigt als wieder hergestellt worden sind, um so mehr, als Du von Deinem S. 211 Gott jede bittere Regung ausschliessest, und damit natürlich auch alle Feindschaft gegen den Schöpfergott. Wenn dem so ist, wie kann durch die Antithesen der Nachweis geliefert werden, dass er die einzelnen Richtungen des Schöpfergottes angefeindet habe?

Ich werde durch sie folglich erkennen, dass mein Gott auch darin ein Eiferer ist, der im voraus mit vollem Rechte dafür gesorgt hat, dass seine kräftigeren Schöpfungen durch eine in den Uranfängen gute, weil vernünftige Anfeindung zur Reife kämen. Seine Antithesen werden in den Gegensätzen der Elemente sogar von der Welt selbst anerkannt, die trotzdem mit der höchsten Weisheit eingerichtet ist. Darum hättest Du, o unbedachtsamer Marcion, nachweisen müssen, dass der Gott des Lichtes ein anderer sei als der der Finsternis. Dadurch hättest Du eher die Überzeugung von einer Verschiedenheit des Gottes der Güte und des Gottes der Strenge begründet. Im übrigen aber dürfte die Antithese dem zugehören, dem sie auch in der Welt zugehört.

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