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Aber was soll ich machen? Denn ältere Greise als diese wirken auf meine Nerven ein: Pherekydes, der da sagt, die Prinzipien seien Zeus, Chthonia und Kronos: Zeus sei der Äther, Chthonia die Erde, Kronos die Zeit; der Äther sei das handelnde, die Erde das leidende, die Zeit das werdende Prinzip. Schon aber herrscht Eifersucht unter diesen Greisen. Dieses alles nämlich erklärt Leukippus für Geschwätz und sagt, die Grundprinzipien seien die S. 119 unbegrenzten, ewig bewegten, kleinsten Atome: und zwar steigen die feinen in die Höhe und werden zu Feuer und Luft, die groben, da sie eine tiefere Lage einnehmen, zu Wasser und Erde. Wie lange noch soll ich über so vieles belehrt werden und dennoch nichts Wahres lernen? Es müßte denn Demokrit mich von dem Irrtume befreien, indem er sagt, die Grundprinzipien seien das Seiende und Nichtseiende; und das Seiende sei voll und das Nichtseiende sei leer; das Volle bringt aber im Leeren durch Drehung und Gestaltung alles hervor. Vielleicht würde ich dem guten Demokrit Glauben schenken und mit ihm lachen wollen, wenn nicht Heraklit meine Überzeugung änderte, der da in weinerlichem Tone sagt: „Das Grundprinzip des Alls ist das Feuer; zwei Eigenschaften hat es: die Leichtigkeit und die Dichtigkeit, die eine schaffend, die andere leidend, die eine verbindend, die andere auseinanderhaltend“. Aber ich habe genug und bin schon trunken durch so viele Prinzipien. Aber von dorther ruft mir Epikur, daß ich ja nicht seine schöne Lehre von den Atomen und den Leeren verachte; denn durch deren vielfältige und vielgestaltige Verbindung komme alles Entstehen und Vergehen zustande.
