10.
Gebet nur Acht, ob es sich nicht so verhält. Denn wenn sie ohne Veranlassung über den Glauben schreiben, so ist es ein überflüssiges oder geradezu schädliches Unternehmen, weil sie, ohne daß irgend eine Frage aufgetaucht ist, selbst Stoff zum Zanke liefern und den unverdorbenen Herzen der Brüder Ärgerniß geben, indem sie in dieselben Dinge streuen, die ihnen sonst gar nicht in den Sinn gekommen wären. Wenn sie aber zur Rechtfertigung wegen der arianischen Häresie zu schreiben unternehmen, so hätten sie zuvor den Samen der aufgetauchten Übel ausreuten und die, welche den Samen ausstreuten, brandmarken sollen. Dann hätten sie gegen dieselben in der rechten Weise schreiben oder offen die Sache des Arius vertreten sollen, um nicht im Verborgenen, sondern offen als Feinde Christi sich zu zeigen, damit dann Alle vor ihnen wie vor dem Anblick einer Schlange die Flucht ergreifen konnten. Nun aber halten sie das geheim und stellen sich, als ob sie von anderen Dingen schrieben. Einen Arzt, der zu einem an Wunden darnieder liegenden Kranken gerufen bei seiner Ankunft nicht von Wunden spräche, sondern ein Gespräch von den S. 24 gesunden Gliedern anknüpfte, würde man gewiß für ganz verrückt erklären, weil er von dem schweigt, weßhalb er gekommen ist, dagegen von Dingen redet, wegen derer man ihn nicht nöthig hat. In gleicher Weise lassen auch sie ihre Häresie unberührt und unternehmen es, von anderen Dingen zu schreiben. Sie hätten aber, wenn ihnen wirklich um den Glauben zu thun war, und wenn sie Christum liebten, zuerst die gotteslästerischen Reden gegen ihn bei Seite lassen und dann statt derselben gesunde Worte reden und schreiben sollen. Aber sie thun das weder selbst, noch wollen sie es Andern gestatten, sei es aus Unwissenheit, sei es aus Hinterlift und Tücke.
