12.
Der selige Bischof Alexander schloß also den Arius aus der Kirchengemeinschaft aus, weil er Folgendes glaubte und aussprach: „Nicht war Gott immer Vater, nicht immer war der Sohn, sondern da Alles aus Nichtseiendem ist, ist auch der Sohn Gottes aus Nichseiendem, und da alle Dinge Geschöpfe sind, ist auch er ein Geschöpf und gemachtes Wesen. Und da Alles früher nicht war, sondern später entstand, so war auch einmal eine Zeit, da das Wort Gottes nicht war, und es war nicht, bevor es gezeugt wurde, sondern es hat einen Anfang des Seins. Es ist nämlich damals entstanden, als Gott es hat schaffen wollen. Denn eines von allen Werken ist auch dieses. Und weil es der Natur nach veränderlich ist und durch seinen eigenen freien Willen, weil es ihm so beliebt, gut bleibt. So kann es sich, wenn es will, gleichfalls ändern, wie alles Übrige. Deßhalb hat nun Gott, weil er voraus wußte, daß es gut sein Werde, im Voraus ihm diese Herrlichkeit gegeben, die es später auch durch seine Tugend bekommen hätte. Folglich ist es durch seine von Gott vorhergesehenen Werte jetzt so beschaffen. Sie sagen also, daß Christus auch nicht wahrer Gott ist, sondern daß auch er in Folge der Theilnahme wie alle Übrigen Gott genannt wird. Sie fügen aber auch das hinzu, daß es nicht das Wort, das von Natur im Vater, und das seiner Substanz eigene Wort und die ihm eigene Weisheit ist, in der er auch diese Welt gemacht hat, und daß das Wort im Vater, das ihm eigen ist, ein anderes sei, und die Weisheit im Vater, die ihm eigen ist, eine andere sei, in welcher Weisheit er auch dieses Wort gemacht hat. Dieser Herr selbst aber wird in der Vorstellung Wort (Vernunft) wegen der vernünftigen Dinge, und Weisheit wegen der mit Weisheit handelnden Dinge genannt. Gewiß ist, sagen sie, da Alles der Substanz nach dem Vater fremd und ferne ist, ebenso auch er in Allem der Substanz; des Vaters fremd und ferne und gehört zu den entstandenen Dingen und ist Einer aus ihnen. Denn er ist ein Geschöpf, gemachtes Wesen und Werk. Und wieder sagen sie, daß er nicht uns seinetwegen schuf, sondern ihn unsertwegen, denn er war, sagen sie, Gott allein, und nicht war S. 27 das Wort bei ihm. Als er hierauf uns schaffen wollte, hat er damals dieses gemacht und nannte es nach seiner Entstehung Wort, Sohn, Weisheit, um uns durch dasselbe zu schaffen, und wie Alles, da es zuvor nicht war, durch den Willen Gottes entstand, so ist auch dieses, da es zuvor nicht war, durch den Willen Gottes entstanden. Denn es ist das Wort nicht des Vaters eigene und natürliche Zeugung, sondern es ist gleichfalls durch Gnade entstanden. Denn der seiende Gott hat den nichtseienden Sohn durch seinen Rathschluß gemacht, in welchem er Alles gemacht hat, bildete, schuf und ins Dasein setzen wollte. Denn sie sagen auch Dieß, daß Christus nicht die natürliche und wahre Kraft Gottes ist, sondern, wie die Raupe und Heuschrecke Kraft genannt werden, 1 so auch er Kraft des Vaters genannt wird. Ausserdem sagte er: Der Vater ist dem Sohne unaussprechlich, und der Sohn kann den Vater weder sehen noch vollkommen und genau erkennen. Denn da er einen Anfang des Seins hat, kann er den Anfangslosen nicht erkennen. Aber auch was er erkennt und sieht, erkennt und sieht er im Verhältniß zu dem ihm eigenen Maße, wie auch wir nach unserm eigenen Vermögen erkennen und sehen. Er fügte aber auch das hinzu, daß der Sohn nicht nur seinen eigenen Vater nicht genau kennt, sondern nicht einmal seine eigene Substanz kennt
Joel 2,25 ↩
