XVIII. (26.) An den Diakon Sabinianus.
An den Diakon Sabinianus.
Inhalt: Adressat ist uns bereits aus mehreren Briefen als päpstlicher Apocristar in Konstantinopel bekannt. Gregor theilt ihm die aus Brief IV. 10 und 20 bekannten Vorgänge in Salona zur Vermittlung an den Kaiser mit und vertheidigt sich gegen den Vorwurf des Maximus, als habe er den Bischof Malchus todten lassen. Aufträge an den Exarchen Romanus, der sich gerade zu Konstantinopel befand.
Du weißt, was sich in der Angelegenheit des Eindringlings Maximus ereignet hat. Nachdem der erauchteste Kaiser das Verbot ergehen ließ, ihn zu weihen, ist sein Übermuth nur noch gestiegen. Denn die ruhmwürdigen Leute des Patriciers Romanus nahmen von ihm Geschenke an und ließen seine Weihung auf solche Art vollziehen, daß der Subdiakon und Patrimoniums-Verwalter nur durch die Flucht dem Tod entkommen konnte. Als ich von dieser rechtswidrigen Weihe erfuhr, verbot ich ihm brieflich die Feier der Messe, bis ich in Erfahrung gebracht hätte, was die erlauchtesten Kaiser hinsichtlich seiner Person verordnet hätten. Als diese Schriftstücke veröffentlicht und in der Stadt angeschlagen wurden, ließ er sie öffentlich zerreissen und ging noch weiter in seiner Verachtung des apostolischen Stuhles. Du weißt, wie Ich so Etwas aufnehme, da ich bereit bin, lieber zu sterben, als zu meinen Lebzeiten die Kirche des hl. Apostels Petrus um ihr Ansehen kommen zu lassen. Auch ist Dir mein Charakter wohl bekannt, daß S. 226 ich nämlich lange Etwas ertrage, aber, wenn ich mich einmal entschlossen habe, es nicht zu ertragen, freudig allen Gefahren entgegen gehe. So muß man in diesem Falle der Gefahr entgegen gehen, damit man nicht durch den übergroßen Hochmuth zur Sünde gezwungen werde. Bedenke, was ich sage, und erwäge, wie großer Schmerz es mir eingebe.
Auch ist mir hinterbracht worden, er habe irgend einen Kleriker geschickt, der die Aussage machen soll, der Bischof Malchus sei im Gefängniß für Geld getödtet worden. In dieser Beziehung sollst Du den allergnädigsten Kaisern nur Eines in Erinnerung bringen. Wenn ich, ihr Diener, mich bei dem Tode der Longobarden hätte betheiligen wollen, so hätte heute das Longobardenvolk weder einen König noch Herzoge noch Grafen und wäre in höchster Verwirrung und gespalten. Weil ich aber Gott fürchte, so scheue ich mich, an dem Tode irgend eines Menschen mich zu betheiligen. Der Bischof Malchus aber war nicht im Gefängniß noch in sonst einer peinlichen Behandlung, sondern an dem Tage, den er für seine Rechnungsablage bestimmt hatte, war er vorgeladen1und ohne mein Wissen von dem Notar Bonifacius in sein Haus geführt worden. Dort wurde ihm ein Frühmahl bereitet, welches er annahm, und überhaupt von Bonifacius mit Ehren überhäuft, — bei Nacht aber starb er plötzlich, was Deine Liebe, wie ich annehme, schon weiß. Ich wollte Unsern Exhilaratus wegen dieser Sache schicken; da ich sie aber schon für abgethan hielt, so habe ich mich dessen enthalten.
Dem Herrn Romanus möge Deine Liebe sagen, daß ich die Briefe für Felix, wenn Gott es haben will, so ausstelle, wie er in seinem Schreiben an den obersten Magister gewünscht hat, und durch meinen Boten übersende. Da ich gegenwärtig Niemand Anderem schreibe, fiel es mir schwer, auch nur an den Magister zu schreiben. Sage ihm auch, S. 227 daß der Pallast-Meister Catellus sein Vermögen, wie nigstens Viriganinus sagt, schlecht verwalte. Ich konnte es kaum dahin bringen, daß er dem Virigantinus seinen Lebensunterhalt in dem Kloster, in welchem er sich der Lesung hingibt und Nichts arbeiten kann, aus einem geringen Theil seines mütterlichen Vermögens herausbezahllte. S. 228
-
Ueber Malchus siehe Brief III. 22. ↩