VI. (6.) An den Bischof Januarius in Cagliari.
An den Bischof Januarius in Cagliari.
Inhalt: Ein neugetaufter Jude hatte sich der Synagoge in Cagliari bemächtigt und das Kreuz und em Muttergottesbild aufgestellt. Januarius wird belobt, weil er diese Gewalttat nicht gebilligt habe, aber auch angewiesen, den Juden ihre Synagoge zurückzustellen. — Mahnung, vor Agilulf auf der Hut zu sein, der nach Ablauf des Waffenstillstandes sogleich wieder den Kampf beginnen werde.
Es kamen von Eurer Stadt Juden hierher und klagten uns, Petrus, der nach Gottes Willen den jüdischen Aberglauben mit dem christlichen Gottesdienst vertauscht hat, habe sogleich am Tage nach seiner Taufe, also am Ostersonntage selbst, sich eine Rotte zügelloser Menschen beigesellt und sich der jüdischen Synagoge in Cagliari nicht ohne schweres Ärgernis, jedoch ohne Eure Zustimmung bemächtigt. Auch habe er dort ein Bild der Mutter unsers Herrn und Gottes und das verehrungswürdige Kreuzzeichen aufgestellt samt S. 436 dem weißen Kleide, welches ihm nach seiner Erhebung aus der Taufquelle umgelegt worden war. Hierüber sind auch Schreiben von unsern Söhnen, dem ruhmreichen Kriegsobersten Eupaterius, von dem erlauchten und Gottseligen Präfekten, sowie von andern vornehmen Männern aus Eurer Stadt bei uns eingelaufen, welche denselben Vorgang beurkunden. Auch diese fügen bei, es sei dem erwähnten Petrus von Euch verboten worden, diese Tat zu wagen. Sobald wir dies erfuhren, sprachen wir sogleich unsre volle Anerkennung aus, weil Ihr, wir es sich in der Tat für einen guten Bischof geziemt, nicht wolltet, dass etwas geschehe, was gerechten Tadel verdienen würde. Da Ihr aber durch Eure Nichtbeteiligung an dieser schlimmen Tat Euer Missfallen an derselben zu erkennen gegeben habt, so geben wir Euch im Hinblick auf Eure Gesinnung oder vielmehr auf Euer Urteil hiermit den Auftrag, Bild und Kreuz mit aller geziemenden Ehrfurcht wieder von jenem Ort zu entfernen und die gewaltsame Entfremdung wieder gut zu machen. Denn dieselbe Gesetzesbestimmung, welche den Juden die Errichtung neuer Synagogen verbietet, gestattet ihnen auch, ohne Belästigung die bisherigen zu behalten. Damit also der genannte Petrus und die andern, die ihm in seinem zügellosen Vorgehen Beihilfe und Zustimmung geliehen haben, nicht etwa vorgeben, sie hätten aus Glaubenseifer so gehandelt, um die Juden zur Bekehrung gleichsam zu nötigen, so muss man sie erinnern und ihnen wohl einschärfen, man müsse bei den Juden vielmehr darauf sein Augenmerk richten, dass sie den freiwilligen Widerstand aufgeben, sie aber nicht gegen ihren Willen zu bekehren suchen. Es steht ja geschrieben: „Freiwillig will ich dir opfern„1 und: Mit freiem Willen will ich lobpreisen.“2 Möge also Eure Heiligkeit in Verbindung mit Euern Söhnen, denen die Sache ebenso missfällt wir Euch, durch ein bischöfliches Wort eine Versöhnung unter den Bewohnern Eurer Stadt bewirken, wie es sich für Euch geziemt; denn gerade zur gegenwärtigen S. 437 Zeit, wo der Feind Furcht verbreitet, darf keine Spaltung unter Euerm Volk bestehen.
Da wir aber nicht weniger für Euch als für uns Sorge tragen, so wollen wir Euch auch Mitteilung machen, dass der Langobardenkönig Agilulf nach Ablauf des Waffenstillstandes seinen Frieden halten wird.3 Darum muss Eure Brüderlichkeit, so lange es noch möglich ist, die eigene Stadt und andere Plätze befestigen lassen und darauf dringen, dass dieselben reichlich mit Vorräten versorgt werden, damit dann der Feind, wenn er mit dem Zorn Gottes beladen heranrückt, keinen Angriffspunkt finde und beschämt wieder abziehe. Aber auch wir denken so viel als möglich an Euch und dringen in diejenigen, denen es obliegt, sich mit Gottes Hilfe zum Widerstand zu rüsten. Denn wie Ihr unsre Trübsale als die Eurigen betrachtet, so sehen auch wir auf gleiche Weise Eure Leiden als die unsrigen an.