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Wenn Celsus dann sagt, die Erzählung des Moses „habe in ganz frevelhafter Weise Gott“ so hingestellt, „dass er sofort und von Anfang an ohnmächtig und nicht einmal imstande war, einen einzigen Menschen, den er selbst gebildet, zum Gehorsam zu bringen“, so geben wir darauf zur Antwort: Das nimmt sich gerade so aus, wie wenn jemand wegen des Vorhandenseins der Sünde gegen Gott die Beschuldigung erheben würde, er habe die Sünde nicht einmal von „einem einzigen Menschen“ so fernhalten können, dass sich zum mindesten ein Mensch gefunden hätte, der von Anfang an rein von der Sünde gewesen wäre.
Denn wie die Verteidiger der Vorsehung wegen dieses Punktes nicht wenige, auch nicht unbedeutende Gründe zur Rechtfertigung S. 353 vorbringen, so werden auch über Adam und seine Sünde mit philosophischem Verständnis diejenigen reden, welche erkannt haben, dass „Adam“ in der griechischen Sprache mit anthropos1 übersetzt wird, und dass an den Stellen, die von „Adam“ zu handeln scheinen, Moses Lehren über die Natur des Menschen im allgemeinen bieten. Denn „in Adam sterben alle“2 , wie die Schrift sagt, und „in der Ähnlichkeit der Übertretung Adams“3 wurden alle verurteilt; das Wort Gottes redet da nicht so sehr von einer bestimmten einzelnen Persönlichkeit, als vielmehr von dem ganzen menschlichen Geschlecht. Denn obgleich der Fluch gegen die eine Person des Adam gerichtet ist4 , so ist er doch, wie sich aus dem ganzen Zusammenhang ergibt, über alle ausgesprochen, und was zu dem Weibe gesagt ist, ist zu jedem Weibe ohne Ausnahme gesagt5 . Auch die Vertreibung des Mannes und Weibes aus dem Paradiese und ihre Bekleidung „mit Röcken von Fellen“6 , die Gott wegen der Übertretung der Menschen für die Sünder gemacht hat, enthält eine verborgene und geheimnisvolle Lehre, die erhabener ist als die von Plato angenommene Herabkunft der Seele, die ihre Flügel verliert und hierher fortgerissen wird, „bis sie irgend etwas Festes ergreifen kann“,
